Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Integration
  1. Integration

    Thu, 14 Feb 2008 11:23:50 GMT

    Integration ohne Sprache geht nicht. Das ist schlicht eine Tatsache.
    Allerdings setzt das Lernen einer Sprache nicht nur das Interesse und die Lernwilligkeit des zu Integrierenden voraus, sondern auch Akzeptanz und Tolerenz auf beiden Seiten. Damit muss es anfangen. Wem eine Integration wegen mangelnder Sprachkenntnisse von vornherein verweigert wird, dem nimmt man jede Chance, die Sprache zu lernen und sich zu integrieren. Akzeptanz und Toleranz gehen einher mit Zeit und Geduld. Und mit der Bereitschaft, auch Etwas von dem Fremden zu lernen. Das bereichert den eigenen Geist und die eigene Kultur und ist ähnlich wie die Vermeidung von Inzucht zur Aufrechterhaltung einer gesunden Kultur und einer gesunden Gesellschaft notwendig. Eine Kultur, die immer nur um sich selber kreist, hat verloren und stirbt aus.
    Ich habe zwei Jahre in Rio de Janeiro in Brasilien gelebt und gearbeitet. Und selbstverständlich habe ich die Sprache dort gelernt. So einigermaßen jedenfalls, so weit das in den zwei Jahren möglich war. Ich habe festgestellt, dass diese neue Sprache mein Denken verändert hat. Ich habe mich dort integriert, ohne deswegen meine eigene Kultur oder meine Identität aufzugeben. Manches habe ich dazu gelernt, Anderes beibehalten, Anderes verändert. Keiner meiner Brasilianischen Freunde oder Kollegen hat sich jemals an einer mangelnden Integration gestört. Manchmal habe ich eben "typisch deutsch" gedacht und gehandelt. Durch die Differenzen, die sich daraus ergaben, hatten wir oft und reichlich zu lachen. Ich erinnere mich noch, wie wir den Karneval in Rio besucht hatten. Zusammen mit unserer Lehrerin, einer Brasilianischen Literaturstudentin. Am Tag danach fragte sie mich, wie ich den Karneval gefunden hätte. Ich antwortete (typisch deutsch): Gut!. Da schaute sie mich ganz groß an und fragte zurück: "Also nicht so gut?". Wir haben dann festgestellt, dass Deutsch eine eher lineare Sprache ist, während Portugiesisch eine eher exponentielle Sprache ist. Das, was sie verstanden hatte, hätte auf deutsch etwa geheissen: "Naja, ging grade so". Und das, was ich gemeint hatte, hätte auf Portugiesisch etwa geheissen: "Supertoll, ganz große Klasse!" Wir haben beide gelernt, dass es auch andere Arten gibt, sich auszudrücken.