Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Denkste
  1. Denkste

    Tue, 19 Feb 2008 08:12:43 GMT

    Wie funktioniert das Denken? In den sogenannten westlichen Industrienationen herrscht diesbezüglich finsterster Aberglaube. Die kritisch-analytisch-logische Methode, die uns die antiken griechischen Philosophen bescherten, und die in der Figur des Sherlock Holmes so wunderbar überspitzt stilisiert wurde, gilt hierzulande als die einzig richtige Art zu denken. Dabei ist schon der Aberglaube, dass es nur eine einzig richtige Art zu denken gäbe, blanker Unsinn. In dem Artikel bei Karrierebibel wird das recht treffend verglichen mit einem Laptop, auf dem nur ein einziges Programm installiert ist. Das richtige Programm eben. Der Fehler daran ist, dass es das "richtige" Programm nicht gibt. Klar kann man mit Excel auch ein Manga erstellen. Ich habe das mal in einem Video gesehen, und es war beeindruckend. Trotzdem: Für die Erstellung von Mangas ist eine Tabellenkalkulation eigentlich ungeeignet.
    Ähnlich ist das mit dem Denken. Logik ist eine Methode, die Wirklichkeit zu vereinfachen. Manchmal muß das sein, weil man sonst nicht mehr durchblickt. Doch die Wirklichkeit ist nun mal nicht so einfach, wie es uns die Logik glauben macht. Zu den in dem Artikel vorgestellten Alternativen möchte ich noch eine weitere hinzufügen: Das freie Assoziieren. Wenn man die Welt beobachtet, stellt man bald fest, dass es überall gewisse Ähnlichkeiten gibt. Diese Ähnlichkeiten können manchmal sehr abstrakt sein. Aber sie sind da. Komiker und Kabarettisten arbeiten oft mit unterschwelligen aber sehr bekannten Ähnlichkeiten. Das führt zu ganz neuen Wahrnehmungen, indem die Aufgaben in ganz neuen Zusammenhängen gesehen werden. Diese Art zu Denken ist ein Kinderspiel. Und zwar im Sinne des Wortes. Kinder denken und lernen weitgehend auf diese Art. Der spielerische Umgang mit sich selbst und der Welt führt zu Erfahrungen und oft genug zu unkonventionellen Lösungen. Dieser spielerische Umgang mit sich selber und der Welt setzt allerdings voraus, dass man sich selber und die eigenen Probleme nicht all zu wichtig nimmt. Und es setzt voraus, dass das, was "man eben so tut", grundsätzlich in Frage gestellt wird. Kultur kann nützlich sein, aber hier kann Kultur auch behindernd werden. So lange man noch offen genug ist, kann ein Blick auf andere Kulturen helfen. Ich kann nur jedem Menschen raten, einige Zeit im Ausland zu leben. Vorzugsweise in einer wirklich anderen Kultur. Das hilft, die eigene Kultur zu relativieren, und wieder einen freieren Blick auf die Möglichkeiten zu bekommen.