Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Dumme Blogger?
  1. Dumme Blogger?

    Sun, 30 Mar 2008 09:25:44 GMT

    Sind Blogger dumm? Also, so ganz kann ich dem nicht folgen. Gut, es ist sicher so, dass die weltbewegenden Unikate und Gedanken nur selten in einem beliebigen Blog zu finden sind. Und das bloße Wiederholen von Beiträgen der Profis ist nicht gerade besonders nützlich. Aber das sind bereits zwei ganz verschiedene Dinge.
    Was die weltbewegenden Unikate und Gedanken angeht: So Etwas gibt es nun mal nicht im Sekundentakt. Es ist daher nur natürlich, dass sich die bei weitem größte Mehrheit der Menschheit eher Gedanken zu bereits existierenden Gedanken macht. Und das ist auch durchaus in Ordnung so. Dabei kommt es sogar gar nicht mal so selten dazu, dass aus einer neuen Kombination altbekannter Gedanken etwas Neues entsteht. Und gerade das Bloggen lebt von dem Ping-Pong Spiel zwischen den Bloggern, wo Gedanken von einem Blogger zum nächsten gereicht werden, dort ein Echo erzeugen, das wiederum bei einem anderen Blogger ein Echo erzeugt, und so weiter. Nicht umsonst ist auf technischer wie sozialer Ebene die gegenseitige massive Verlinkung eines der wichtigen Merkmale der Blogosphere. Hier von Langeweile und Dummheit zu sprechen geht nicht nur vollständig am Thema vorbei, wer Sowas aussagt, zeigt damit auch, dass er die Gedanken der Anderen nicht die Bohne verstanden hat.
    Natürlich wäre es wichtig und sehr sehr wünschenswert, dass ein Blogger, der einen Beitrag zu einem bereits existierenden Beitrag schreibt, seine eigenen Gedanken hinzufügt. Diese mögen trivial oder weltbewegend sein, das spielt keine Rolle. Wichtig ist allein, dass es die eigenen Gedanken des Bloggers sind.
    Und was den reichlich vorhandenen sogenannten "Trivialcontent" angeht: Nun, vielleicht ist er wirklich trivial. Aber heisst das, dass er deswegen schlecht ist? Wie viel würden zum Beispiel heutzutage Archäologen dafür geben, wenn sie solchen sogenannten Trivialcontent aus der Bronzezeit hätten. Und warum? Nun, das menschliche Leben wird eben nicht so sehr von Großereignissen bestimmt, sondern viel mehr von eben solchen Trivialcontent. Der ganz alltägliche Wahnsinn, das ist es, was das menschliche Leben ausmacht. Die Person, die dahinter steht, die Gedanken, Gefühle, Meinungen eines ganz individuellen Menschen zu einer ganz bestimmten Zeit, das ist es, was das Leben ausmacht. So gesehen sind Blogs mit Trivialcontent also die eigentliche wesentlichen Blogs, sind sie doch ein viel detaillierterer und facettenreicherer Spiegel unseres Lebens als die Blogs, die über Großereignisse berichten. Nicht, dass ich damit die Bedeutung von Blogs woe SpOn, ARD oder ZDF herunterspielen will, sie sind wichtig, und das gerade als Anstoß und Katalysator auch für Trivialblogs. Aber die Bedeutung dieser Trivialblogs wird gewaltig unterschätzt. Die Profiblogs sind das Saatkorn, aber die Trivialblogs sind das, was daraus erwächst.
    Es ist richtig, dass die Trivialblogs von den Profiblogs abhängig sind. Jedenfalls zu eiem erheblichen Grad. Aber diese Abhängigkeit existiert auch andersherum, wenn auch nicht so deutlich. Ein Profiblog ohne Echo hängt nutzlos im luftleeren Raum. Erst die Reaktion, das Echo, gibt einem Profiblog seine wahre Bedeutung.