Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Dürfte ich um Ihre Aufmerksamkeit bitten?
  1. Dürfte ich um Ihre Aufmerksamkeit bitten?

    Sun, 06 Apr 2008 16:48:39 GMT

    Die neueste Bloggerveranstaltung, die re:publica, ist rum. Ich war nicht da. Ich kann mir das gar nicht leisten. Nur mal so zum tratschen nach Berlin fahren? Und dann noch einen Haufen Geld ausgeben für Übernachtung? Das bisschen Geld, das ich habe, kann ich nutzbringender ausgeben.

    Interessant sind die Beobachtungen, von denen ich so lese. Fliers Apokalyptischer Reiter könnte wohl manchmal sehr nützlich sein. Interessant ist für mich, dass sich die Beobachtungen mit dem decken, was ich selber ganz allgemein, nicht auf die Blogosphäre bezogen, ebenfalls beobachte: Kaum Jemand schenkt seinen Mitmenschen Aufmerksamkeit und Respekt. Ich bin mir nicht sicher, ob das früher besser war. Vermutlich nicht. Aber heut ist es definitiv so.

    Dabei bin ich der Überzeugung, es liegt nicht an den Gadgets. Schön, die Mittel der Kommunikation haben sich geändert. Das ist eine Tatsache. Nicht Alles an dieser Änderung ist positiv. Ebensowenig ist Alles negativ. Es ist eigentlich ähnlich wie der Unterschied zwischen einem persönlichen Gepräch von Angesicht zu Angesicht und einem Telephongespräch. Das direkte Gespräch hat den Nachteil, nicht so einfach zustande zu kommen. Räumliche Differenzen müssen dazu überbrückt werden. Das ist nicht immer möglich. Mit dem Telephon geht das. Dadurch erweitert sich sofort der Kreis der Gesprächspartner. Und die modernen elektronischen Kommunikationsformen eliminieren eine weitere Differenz: die zeitliche Differenz. Um mit völlig fremden Menschen ins Gespräch zu kommen, muss man heute weder am selben Ort noch zur selben Zeit zusammen kommen. So gesehen haben die modernen Kommunikationsmöglichkeiten Vorteile.

    Der wesentliche Nachteil ist die Qualität der Kommunikation. Ein wesentlicher Teil geht vollständig verloren: Die Körpersprache. Diese wird durch Smilies nur mangelhaft und unvollständig emuliert. Und je nach Medium geht bei der Kommunikation auch die Stimme verloren, die ein Teil der Körpersprache ist. Diese non-verbale Kommunikation ist aber von entscheidender Bedeutung. Bei einer vollständigen Kommunikation haben wir eher die Chance, den Gegenüber vollständig zu verstehen, als bei einer unvollständigen Kommunikation. So gesehen erkaufen wir die Vorteile der modernen Kommunikation auch mit sehr gravierenden Nachteilen.

    Vielleicht liegt es daran, dass Kommunikation heute so oberflächlich, hektisch und respektlos ist. Es scheint, als habe sich diese Kultur der unvollständigen und dadurch oberflächlichen Kommunikation verselbstständigt. Dies umfasst heute nicht mehr nur die Kommunikation via elektronische Medien, sondern färbt auch ab auf die direkte Kommunikation. Ganz drastisch sichtbar wird dies dann natürlich auf einer Veranstaltung, bei der sich Blogger treffen, die fast nur noch indirekt, über das elektronische Medium kommunizieren können. Obwohl der Gegenüber keinen Meter entfernd sitzt, wird trotzdem über Twitter und SMS kommuniziert. Eigentlich absurd. Dabei ist es dann folgerichtig zu bemerken, dass direkte Kommunikation, so sie den mal stattfindet, dem selben Stil verhaftet bleibt wie die Kommunikation über Twitter und SMS. Da der Gesprächspartner aber direkt gegenüber sitzt, wirkt das dann desinteressiert.

    Ironischerweise haben gerade die Blogger ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Respekt. Aufmerksamkeit wird heute in Google Pagerank gemessen. Ständig wird gewetteifert, wer denn nun den höhere PR (aka Aufmerksamkeit) hat. Doch gerade Blogger sind oft kaum in der Lage, Aufmerksamkeit zu schenken. Dies geht sogar so weit, dass Kommentatoren im Blog oft keine Antwort bekommen. Null Aufmerksamkeit. Ein Jeder buhlt um Aufmerksamkeit, und Keiner will oder kann Aufmerksamkeit geben. So kann das Nichts werden.

    Auch im direkten Gespräch gibt es eine Kultur des Redens, aber genauso wichtig, auch eine Kultur des Zuhörens. Letzteres ist wohl Etwas, das in der Bloggerscene noch entwickelt werden muss.