Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Blogger = Journalist?
  1. Blogger = Journalist?

    Mon, 14 Jul 2008 10:21:30 +0200

    Ich blogge, also bin ich: Journalist?

    Sicher gibt es ein paar wenige Parallelen zwischen Journalismus und Bloggerei. Beides hat mit schreiben zu tun, und beides hat mit veröffentlichen des Geschreibsels zu tun. Aber dann hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.

    Wie Thomas Knüwer bereits völlig richtig schreibt, gibt es natürlich auch bloggende Journalisten. Und Blogs (i.d.R. von ournalisten), die nichts Anderes als Journalismus sind. Und davon gibt es gar nicht mal so wenige, wenn auch immer noch zu wenige. Aber die allermeisten Blogs sind weit entfernt von Journalismus.

    Auch dieses Blog hier ist ein rein privates Blog. Meine einzige Ambition, neben den technischen Herausforderungen, ist, meine ganz persönlichen Gedanken so, wie sie mir in den Sinn kommen, zunächst mal aufzuschreiben und dann ins Internet zu stellen. Das hat mit Journalismus nahezu Nichts zu tun. Allenfalls hat es gewisse Ähnlichkeiten mit Kommentaren oder vielleicht einem Editorial. Auch Journalisten dürfen gelegentlich einfach mal ihre ganz persönliche Meinung, ihre ganz persönlichen Gedanken, veröffentlichen. Der Kern des Journalismus ist allerdings a) gut recherchierte Fakten, b) diese Fakten sachlich mitzuteilen, und c) die Überwachung von Gesellschaft und Politik, um Fakten öffentlich zu machen, die sonst unter den Tisch gekehrt werden. Mein Blog hingegen dient einem anderen Zweck. Ich habe weder die Zeit noch die Mittel, um Fakten zu recherchieren. Was hier steht, sind keine Fakten, sondern meine persönlichen Gedanken. Die Recherche findet gerade mal insofern statt, als dass ich, vor Allem während und durch das Schreiben, diese Gedanken reflektiere.

    Ich bin kein Journalist. Ich bin noch nicht mal Schreiber oder Texter. Ich bin Softwareentwickler im Maschinenbau. Ich mache mich doch nicht lächerlich und behaupte, von Natur aus Etwas zu können, wofür eine solide Ausbildung nötig ist.

    Umgekehrt wirft es ein doch gar seltsames Licht auf Journalisten und Redakteure, wenn diese in Blogs eine ernsthafte Konkurrenz sehen. Ich dachte immer, diese Leute wissen, was Journalismus ist. Wenn dem so ist, warum erkennen diese Redakteure dann nicht den Unterschied zwischen einem Blog und Journalismus? Fehlt da vielleicht Ausbildung? Oder einfach nur Urteilsvermögen? Dass der eine oder andere Blogger gelegentlich zu Größenwahn neigt, naje, ist halt kein Profi. Aber Journalisten und Redakteure sollten Profis sein und beurteilen können, ob ein Blog Journalismus ist, oder nicht. Warum also das Gejammere über die angebliche Konkurrenz durch Blogs?

    Blogs und klassischer Journalismus, das kann sich prima ergänzen. Das Herumgehacke auf der jeweils anderen Fraktion ist Blödsinn.