Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


  1. Blogger mit Einfluss
  1. Blogger mit Einfluss

    Tue, 15 Jul 2008 08:19:04 +0200

    Kürzlich habe ich berichtet, dass Blogger keine Journalisten seind. Meistens jedenfalls. Nun lese ich einen interessanten Bericht im European Journalism Observatory darüber, welch eine politische Macht einige wenige Blogger geworden sind. Widerspricht sich das? Nicht unbedingt.

    Blogger können an Macht, oder ich sollte vielleicht besser sagen, an Einfluss gewinnen. Sie können dies, ohne Journalisten zu sein. Andererseits kann man durch und während des Erfolges lernen, was Journalismus ist. Man kann sogar, wie die Huffington Post, im Laufe der Zeit einen ganzen Redaktionsstab einstellen und zu einer echten journalistischen Onlinezeitung werden. Warum auch nicht? Und gerade die Huffington Post wurde von einer Frau gegründet, die eine journalistische Ausbildung hat und als Journalistin bereits erfolgreich war. So gesehen ist dieser Werdegang kein Wunder. Wenn auch in dieser krassen Form wohl nur in den USA möglich. Wie im Klischee vom Tellerwäscher zum Millionär. Ganz so krass wird das hier in Europa nicht möglich sein. Ist wohl auch gut so. Man muss schließlich nicht übertreiben.

    Das sollte nun kein Hunderungsgrund für all die vielen guten Blogs sein, auch nach dem Ziel zu streben, signifikant an Einfluss zu gewinnen. Jeder hat ein Recht auf eine eigene Meinung, und hat ein Recht darauf, gehört (oder eben gelesen) zu werden. Ein Blog gibt dazu tatsächlich Jedem eine Chance. Eben auch nicht-Journalisten ohne Redaktionsstab und ohne Budget. Die Chancen, gerade für nicht-Journalisten, sind denkbar klein, aber sie sind vorhanden und ungleich Null. Im Unterschied zu früher, wo nur Journalisten eine von einer Redaktion und dem Management kontrollierte Chance hatten, öffentlich registriert zu werden. Das macht Blogger nicht zu Journalisten. Allerdings steht im Grundgesetz meines Wissens nach nicht drin, dass öffentliche Äusserungen nur den Journalisten vorbehalten wären.

    Also, ran an den Speck! Ob man nun gelesen wird, oder nicht, ob sich der große Erfolg einstellt oder nicht, zu einer öffentlichen Meinungsäusserung hat nicht nur Jeder das Recht, sondern durch Blogs auch die Möglichkeit. Ohne journalistische Ausbildung sind die Chancen minimal, dass so ein Blog ein Megaerfolg wie die Huffington Post wird, aber das Recht auf eine eigene öffentliche Meinung, die kann einem Niemand nehmen. Nutze also Deine Chance. Und vielleicht, ganz vielleicht hast Du ja eine reelle Chance, irgendwann von der Bloggerei leben zu können. Und wenn nicht, nun, auch eine nicht-kommerzielle, persönliche und private Meinungsäusserung in der Öffentlichkeit der Blogosphäre ist durchaus sinnvoll. Wer nicht (oder kaum) gelesen wird, hat deswegen ja noch lange nicht sein Recht verwirkt, öffentlich seine Meinung kundzutun.