Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Medienkompetenz und Gewaltspiele

Nach einer Langzeitstudie scheinen gewalthaltige Computerspiele ("Ballerspiele") Gewalt unter Jugendlichen und Kindern zu fördern. Nach dieser Studie sind die Computerspiele die Hauptursache dafür, noch vor Horrorfilmen.

Hmmm, vielleicht habe ich mich in diesem Punkt geirrt. Ich dachte eigentlich, dass auch Jugendliche bereits zwischen der Fiktion eines Computerspiels und der Realität unterscheiden können. Andererseits muss ich da natürlich zugeben, dass Jugendliche und vor Allem Kinder noch keine ausgereiften Persönlichkeiten sind und daher möglicherweise tatsächlich durch solche Spiele zu stark beeinflusst werden. Denn dass die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen erschreckend zunimmt, das dürfte wohl eine Tatsache sein.

Am interessantesten war für mich, dass in dieser Studie davon gesprochen wird, dass solche Spiele die Prinzipien "Rache", "Vergeltung" und "Hass" propagieren. Insbesondere bei dem Prinzip "Rache" kann ich das durchaus nachvollziehen. Allerdings persönlich weniger durch Computerspiele sondern eher durch vor Allem US-Amerikanische Filme. Der erste Rambo-Film war eine bewundernswerte Ausname. Aber das Prinzip "Familie des Helden wird Opfer eines scheusslichen Verbrechens - Held sieht rot und rächt sich" scheint ein Grundprinzip der meisten US-Amerikanischen Filme zu sein. Und gerade dadurch, dass hier der Held in der Opferrolle präsentiert wird, werden natürlich Sympatien für den Helden geweckt, und Verständnis für seine "gerechte" Rache. Unter Kindern kann das sehr wohl zu dem Gedanken führen, dass Rache eine gerechte Sache wäre.

Und Anlass zur Rache gibt es ja genügend. Hat Jemand über deine Zahnspange gewitzelt? Rache! Hat Jemand Deine Freundin verliebt angeschaut? Rache! Ist Jemand besser als Du im Unterricht? Rache! Zweifelt Jemand Deine absolute Führungsposition an? Rache!

Oh ja, Rache ist ja sowas von gerecht. Wer sich rächt, zeigt Stärke und Durchsetzungsvermögen. Eigenschaften, die in unserer Ellenbogengesellschaft ja durchaus erwünscht sind. Und die größten Helden sind die, die die "bösen" Anderen problemlos töten können. Und welcher Jugendliche träumt nicht davon, ein Held zu sein?

Es könnte also durchaus sein, dass diese Studie richtig liegt. Allerdings könnte es dann durchaus auch sein, dass es für Gegenmaßnamen bereits zu spät ist. Denn wer einmal in diesen Strudel der Gewalt und Gegengewalt hineingeraten ist, kommt dort kaum wieder heraus. Und so lange Stärke und Durchsetzungsvermögen noch immer die wichtigsten Eigenschaften in unserer Gesellschaft sind, so lange wird ein Ausbrechen aus der Gewaltspirale nahezu unmöglich.


0 Kommentare