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Ich hasse Schule!

Mon, 25 Aug 2008 18:12:31 +0200

Ich bin inzwischen 51, doch ich hasse die Schule immer noch. Noch heute habe ich Alpträume, die das Thema Schule betreffen. Ich habe sie gehasst beinahe vom ersten Tag an. Ich erinnere mich noch sehr gut daran: Wir Kinder hatten die Aufgabe, ein Bild von unseren Eltern zu malen. Was ich damals nicht wusste, war, dass man anhand dieses Bildes unseren "Reifegrad" ermitteln wollte. Ich sass also vor dem leren Blatt und fand die Idee, ein Bild meiner Eltern zu malen, doof. Nach einer Weile des Nachdenkens und Herumspinnens kam mir plötzlich eine Idee: Was, wenn ich mal meine Eltern nur aus Quadraten und Rechtecken zusammengesetzt malen würde? Klar, in dem Alter wurde es reichlich krakelig, aber die Idee fand ich eigentlich ganz witzig. Ausserdem habe ich karikaturistisch übertrieben. Das wiederum fanden meine Eltern gar nicht witzig. Und die Verantwortlichen, die meinen "Reifegrad" beurteilen sollten, fanden das erst recht nicht witzig. Meine Eltern haben hart darum gekämpft, dass ich nicht in die Sonderschule kam. Viele Jahre später habe ich erfahren, dass ich damals als Siebenjähriger den Kubismus erfunden hatte.

So in der Art ging es weiter. Einer meiner späteren Klassenlehrer beschimpfte meine Eltern als assozial und versuchte Alles, mich von der Schule zu werfen. Einfach deswegen, weil ich praktisch nie Hausaufgaben gemacht hatte. Aber selbst dieser Lehrer schaffte es nicht, mich von der Schule zu werfen, dafür waren meine Leistungen trotz keiner Hausaufgaben und trotz ständigen Ärgers nicht schlecht genug.

Objektive Noten? Dass ich nicht lache! In der Abiturklasse reichte mich mein Methematiklehrer mit 4 ein. Einfach deswegen, weil ich bei ihm immer auf 4 stand und folglich ein Viererschüler war. Er benotete folgerichtig meine Abiturarbeit mit 4. Der Zweitkorrektor benotete die selbe Arbeit mit 6. So viel zur Objektivität. Und im Mündlichen hatte ich nach weniger als 2 Minuten meine 3. Irgend so ein Dödel fragte mich dann bei der mündlichen Prüfung, ob ich noch weiter machen wolle. Ich fragte zurück, ob das Etwas an meiner Note ändern könnte. Das wurde verneint. Also tschuss! Ich lass mich doch nicht verarschen.

Jetzt lese ich bei TAZ, dass da eine Lehrerin anscheinend ihren Beruf ernst nimmt und die Schüler so ausbildet, dass sie gut werden. Und was ist das Resultat? Ja, richtig, man hätte es sich gleich denken können: Die Lehrerin bekommt Ärger mit der Rektorin und dem Schulamt. Sie bekommt nicht Ärger, weil sie ihren Job schlecht macht! Sie bekommt Ärger, weil sie ihren Job gut macht! Das deutsche Bildungssystem ist schon seit Generationen verkorkst, aber heutzutage spottet es wohl jeder Beschreibung. Naja, Kultusminister und Schulrektoren sind eben auch nur PISA-Opfer. Von mir aus können die sich in ihrer Dummheit suhlen, bis sie den Löffel abgeben. Aber was sie damit den Kindern antun, das kann sich kaum Jemand vorstellen. Das ist einfach nur grausam. Da wird das eigene Versagen und die eigene Inkompetenz dadurch relativiert, dass man die Kinder zu noch inkompetenteren Versagern erzieht. Klar, verglichen mit dem Resultat ist die eigene Tranfunzel immer noch ein helles Licht. Und diese Kinder machen es dann, wenn sie erwachsen werden, genau so. Und wenn dann mal die berühmte Ausname, die die Regel bestätigt, auftaucht, dann wird diese Ausname mundtot gemacht und zwangsangepasst.


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