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Polygamie?

Fri, 05 Sep 2008 20:18:50 +0200

Warum ist hierzulande Polygamie (Vielehe) eigentlich verboten? Diese Frage wirft Robert Basic auf. Und die Vermutung, das Verbot wäre christlich verursacht, rückt Thomas Klotz im RA-Blog zurecht: Das ist mitnichten christlich, sondern im Römischen Recht so verankert und an uns vererbt. In der Tat steht in der Bibel kein Verbot der Vielehe.

Schön und gut. Dass die Vielehe ein kaum praktikables Lebensmodell ist, das muss nicht großartig diskutiert werden. Die Probleme, die damit einhergehen, sind immens. Die Vielehe ist also Niemandem zu raten. Doch die Frage bleibt: Wieso schreibt uns der Staat die Einehe eigentlich per Gesetz vor?

Dass es eine Aufgabe des Staates ist, seine Bürger zu beschützen, das dürfte zunächst einfach ersichtlich sein. Früher war es eine Aufgabe des Staates, seine Bürger vor bösen Agressoren aus dem Ausland zu beschützen. Aus dem Grund gibt es heute immer noch Militär, obwohl diese Aufgabe heute nahezu obsolet ist. Weltweit hat meines Wissens nach nur ein einziger Staat daraus die Konsequenzen gezogen und das Militär abgeschafft: Costa Rica.

Auch vor anderen Dingen soll uns der Staat beschützen. Vor Allem vor Kriminalität und Kriminellen. Das tut der Staat auch. Jedenfalls so ein kleines Bisschen. Theoretisch müsste der Staat uns auch vor übereifrigen Politikern schützen. Aber da diese Politiker leider sich selbst mit dem Staat verwechseln, ist das wohl Utopie.

So weit, so gut. Aber es gibt da durchaus Interessen, die dem Schutzauftrag des Staates zuwider laufen. Nehmen wir mal einen Extremfall: Ist es Aufgabe des Staates, einen Selbstmörder vor sich selbst zu schützen? Hier kann ich mit einem leichten Zögern noch mit ja antworten. Wie sieht es mit anderen Dingen aus, mit denen wir uns selber schaden können? Heroin ist verboten. Damit schützt der Staat uns vor unserer eigenen Dummheit. Alkohol ist nicht verboten. Also so weit geht der Schutz des Staates vor unserer eigenen Dummheit nicht. Rauchen ist neuerdings verboten, aber nur, soweit dieses Rauchen Andere schädigt. Also schützt uns der Staat auch hier nicht vor uns selbst. Die persönliche Freiheit geht hier vor dem Schutzauftrag des Staates. Diese persönliche Freiheit hat da Grenzen, wo Anderen geschadet wird.

Doch wie ist das mit der Vielehe? Mit einer Vielehe schaden sich die Beteiligten selbst. Doch hat der Staat die Aufgabe, uns hier vor uns selbst zu beschützen? Oder ist das nicht vielleicht eher eine unnötige Bevormundung, die das Grundrecht auf persönliche Freiheit negiert? Hat der Staat nicht viel eher die Aufgabe, unsere persönlichen Freiheiten zu garantieren? Auch, wenn wir uns mit diesen Freiheiten selber schädigen? Wo liegt die Grenze zwischen dem Schutzauftrag des Staates und der Garantie für die persönliche Freiheit?


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