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Drum prüfe, wer da schreibt,

Sun, 07 Sep 2008 19:13:23 +0200

...ob er auch bei der Wahrheit bleibt.

Unter dem Titel Verantwortung schreibt das UPLOAD Magazin dazu einen längeren Artikel. Der Autor gibt an, als eigenes Ideal dem Pressekodex verpflichtet zu sein. Dieser besagt in diesem Zusammenhang im Wesentlichen, immer nur die Wahrheit zu berichten und den Wahrheitsgehalt einer Aussage daher vor der Veröffentlichung so gut es geht zu prüfen. Das ist, soweit es sich um Pressemitteilungen, Nachrichten oder Ähnliches handelt, ein sehr gutes Ideal.

Robert Basic spart sich diese Überprüfung des Wahrheitsgehaltes und detzt darauf, dass seine Leser erwachsen genug sind, das selber zu tun und ihn gegebenenfalls korrigieren. Hier fragt Jan Tißler vom UPLOAD Magazin natürlich zu Recht, ob Robert Basic hier nicht seine Varantwortung unzulässigerweise auf seine Leser abwälzt. Immerhin ein Gedanke. Früher hieß es: "Adel verpflichtet". Ganz ähnlich könnte man heute argumentieren, dass die Tatsache, ein A-Blogger zu sein, auch verpflichtet.

Also schaun wir mal. Wie hat Robert Basic beispielsweise berichtet über den RottenNeighbor Zwischenfall? Da wird nicht behauptet, es würde Internetzensur stattfinden. Stattdessen werden Fragen gestellt und mögliche Scenarios modelliert. Wo bitte besteht hier eine Notwendigkeit für eine Überprüfung auf Wahrheitsgehalt? Dass die Site u.U. nicht erreichbar war, das konnte Jeder nachprüfen. Hat Robert anscheinend auch. Und die möglichen Scenarios? Da gibt es Nichts zu überprüfen, da eben nur Möglichkeiten angedacht werden.

Ich frage mich, ob hier nicht verschiedene "Lager" vollständig aneinander vorbeireden und -argumentieren. Im einen Fall geht es um das Berichten von Fakten. Der Wahrheitsgehalt solcher Fakten ist natürlich zu überprüfen. Auch von Bloggern. Jedenfalls, so gut es geht. Im Anderen Fall handelt es sich um persönliche, eigene Gedanken zu Fakten. So lange man diese eigenen Gedanken nicht als Fakten tarnt, sondern sie offen als eigene Gedanken veröffentlicht, so lange ist da Nichts zu prüfen. Jemand wie Robert Basic könnte allenfalls for dem Niederschreiben seiner Gedanken noch mal kurz innehalten und sich selbst fragen, ob das auch wirklich seine eigenen Gedanken sind. Wie auch immer die Antwort darauf ausfallen wird, sie wird subjektiv sein. Die Verantwortung den Lesern gegenüber besteht hier einfach darin, die eigenen Gedanken als genau das zu präsentieren, was sie sind: Eigene Gedanken.

Und wie sieht das mit dem in diesem Zusammenhang erwähnten Artikel bei Spreeblick aus? Hier und da wird behauptet, Spreeblick würde hier nur schlicht in die Moderne Kerbe "Google ist ein böser Datenkrake" schlagen. Wenn man den Artikel liest, kann man eher den gegenteiligen Eindruck gewinnen. Eine Analyse, in der bekannte Fakten in einen eventuell nicht ganz so alten Zusammenhang gestellt werden. Das Ganze vielleicht etwas sarkastisch und dadurch vielleicht missverstehbar, aber die Zusammenhänge sind da. Und man stellt fest, dass in dem Artikel gar nicht Goolge angeprangert wird, sondern die Dummheit der Schreihälse, die solche Verschwörungstheorien am lautesten verbreiten, da durhc keinerlei Verständnis der Materie getrübt. Hier wird dem Leser ein sarkastischer Spiegel vorgehalten, und der Leser mag selbst entscheiden, ob er sich in dem Spiegel selber wieder erkennt oder nicht.

Natürlich gibt es Blogs wie auch andere Medien, die allein der Desinformation und der Propaganda dienen. Diese gab es schon immer und wird es immer geben. Und diese Propagandaschleudern finde ich zum kotzen. Aber hier scheint mir, geht es um etwas Anderes. Die Verantwortung liegt nicht nur beim Schreiber eines Artikels, auch beim Leser. Wer glaubt, einen Artikel unbedingt missverstehen zu müssen, um sich daraus seine eigenen Sensationen basteln zu können, der hat seine eigene Verantwortung nicht begriffen und liegt nun mal falsch. Genau hinhören, oder, im Falle eines Blogs, eben notfalls mehrfach genau nachzulesen, gehört eben nun mal zur Aufgabe eines Lesers. In einem Blog kann man meist auch, zusätzlich oder ergänzend, kommentieren. In den Kommentaren kann man nachfragen, korrigieren, ergänzen, diskutieren, kurz Alles, was dazu dient, eventuelle Missverständnisse beim Autoren oder bei den Lesern auszuräumen. Zumindest in dieser Hinsicht gebe ich Robert Basic absolut Recht. Das enthebt natürlich den Autoren trotzdem nicht von seiner Verantwortung.


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