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Staub aufwirbeln

Mon, 29 Sep 2008 19:40:03 +0200

Sorry, wenn die folgenden Gedanken etwas chaotisch daherkommen. Ich habe wegen einer beginnenden Erkältung einen steifen Grog verinnerlicht. Das trübt ein wenig die Formulierungskünste. Nichtsdestotrotz riskiere ich es, meine Gedanken zu diesem Thema trotzdem zu veröffentlichen (Gott steh mir bei).

Spuren hinterlassen? Staub aufwirbeln? Klar will ich keinen Staub aufwirbeln. Davon habe ich Nichts. Aber will ich Spuren hinterlassen? Ich weiss nicht so recht. In einer Welt, in der ein Alexander als "Der Große" bezeichnet wird, nur, weil er besonders viele Menschen umgebracht hat, scheint mir das Hinterlassen von Spuren eher weniger ratsam. Ich bin Christ, und als überzeugter Christ hinterlasse ich Spuren allenfalls dann und so, wenn und dass sie auf Christus hinweisen. Und das meine ich durchaus auch im Zusammenhang mit Arbeit und Beruf.

Ich bin Softwareentwickler. Und zwar im Wesentlichen im Bereich Maschinenbau. Zur Zeit arbeite ich freiberuflich für eine Firma, die gerade dabei ist, einen neuen Maschinentyp zu erstellen. Meine Aufgabe dabei ist das Materialhandling. Diese Aufgabe erfüllt mich. Im besten Sinne des Wortes. Es ist einfach ein wundervolles Feedback, wenn das, was ich erschaffe, zum Leben erwacht. Wenn die verschiedenen Aktoren und Sensoren zu einer konzertierten Aktion zusammenarbeiten, und wenn sich eine ästhetisch ansprechende Bewegung und ein Intelligenz implizierendes Verhalten zeigt. Es ist für mich einfach faszinierend, zu sehen, wie das, was ich erschaffe, zum Leben erwacht. Deshalb mache ich das.

Hinterlasse ich dadurch Spuren? Ja, bestimmt. Fragt sich nur, wer in der Lage ist, diese Spuren zu lesen. Ich kann das Ziel nur erreichen, wenn auch alle Anderen, die Mechaniker, die Elektriker, die Konstrukteure, ihr Bestes geben, und in bester Zusammenarbeit fachübergreifend jeder Einzelne seine Persönlichkeit, sein Stärken, mit einbringt. Also sind es definitiv nicht nur meine Spuren. Es sind die Spuren vieler intelligenter und talentierter Menschen, deren Teil ich bin. Hinterlasse ich dadurch Spuren? Bestimmt. Aber ob Jemand diese Spuren lesen kann? Vermutlich nur sehr Wenige. Die Spuren sind versteckt. Und das ist auch richtig so. Zumindest mir geht es nicht darum, dicke breite Autobahnen durch den Wald zu schlagen, die jeder Mensch als meine Spur erkennt. Wenn ich Spuren hinterlassen will, dann solche, die man erst bei genauerem Hinsehen entdeckt. Spuren, die nicht sofort ersichtlich sind. Vielleicht kann ich eines Tages vor Gott treten, und er sagt mit, hier und dort hast Du tatsächlich Spuren hinterlassen. Hier und dort hast Du tatsächlich Etwas bewirkt. Hier und dort hast Du das Verhalten eines Menschen beeinflusst und ein Bisschen geändert. Das wäre für mich die Anerkennung schlechthin!

Welche Unternehmen/ Personen sind für Sie die größten Staubaufwirbler? Welche Unternehmen/ Personen hinterlassen Spuren?

Nun, die erste Frage will ich lieber nicht beantworten. Zur zweiten Frage ergibt sich für mich eine Gegenfrage: Was für Spuren? Es gibt Spuren, wie sie der sprichwörtliche Elephant im Porzellanladen hinterlässt. Diese Art von Spuren will ich nicht hinterlassen. Und es gibt Spuren, wie sie die Menschen hinterlassen, die die Geschichte als "groß" bezeichnet: Alexander der Große, Julius Cäsar, Karl der Große, ... Menschen, deren Größe ich Nichts abgewinnen kann. Und es gibt Menschen wie Mahatma Ghandi und vor Allem Jesus Christus, die meiner Meinung nach wahre Größe gezeigt haben. Menschen, die Spuren hinterlassen haben, die zu ihren Lebzeiten nicht oder kaum sichtbar waren, die aber 2000 Jahre danach immer noch vorhanden und sichtbar sind. Ich denke, ich lege mehr Wert auf diese Art von Spuren als auf die Art, wie sie die derzeit aktuell "Großen" hinterlassen.

So gesehen ist es eine interessante Frage, ob ich "bescheiden" oder eher "anspruchsvoll" bin. Kurzfristig gesehen bin ich sicher bescheiden. Aber ich denke langfristig. Und so gesehen habe ich den höchstmöglichen Anspruch. Auch und gerade an mich selbst.

So, ich hoffe, dass ich unter dem Einfluss eine steifen Grogs nicht nur ein paar seltsame Gedanken öffentlich gemacht habe, sondern hoffentlich nicht all zu viele Leser gelangweilt und/oder verärgert habe. Es ist eine sehr persönliche Analyse. Niemand wird diese 1:1 auf sich übertragen können.


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