Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


20 Jahre

Mon, 09 Nov 2009 10:46:49 +0100

20 jahre ist das jetzt her. Nein, nicht der Mauerbau, sondern das Gegenteil, der Mauerfall. Merkwürdig, wenn ich mir vorstellle, dass heutige junge Erwachsene ohne diese Mauer aufgewachsen sind. Klar kennt man die Mauer. Aus dem Geschichtsunterricht. Ungefähr so, wie 333 – bei Issos Keilerei (irgend so eine Schlacht im antiken Griechenland). Man hat sowas gelernt, aber das betrifft einen nicht, das ist und bleibt fern.

Meine Eltern haben damals wenige Wochen vor dem Mauerbau rübergemacht, mit mir im Kinderwagen. Ich kann mich daran nicht mehr erinnern. Einige Verwandte, die vor dem Rübermachen noch ihren Jahresurlaub zuerst genießen wollten, standen nach dem Urlaub vor der Mauer. War also schon kurz vor knapp.

Danach entwickelte sich in der DDR eine Kultur des Misstrauens, der Bespitzelung und der Irreführung. Dabei war das keine schlechte Absicht. Im Gegenteil. Der wissenschaftliche Sozialismus hatte schließlich bewiesen, dass eben dieser Sozialismus die einzig richtige Gesellschaftsform war. Wer sich gegen die Wissenschaft und ihre Erkenntnisse auflehnte, der konnte nicht ganz richtig im Kopf sein. Das war ein geistig Kranker, eine Gefährdung der Gesellschaft. Ungefähr so wie heute hier Pädophile und Vergewaltiger. Und vor Sowas muss man die Menschen doch schützen, oder? Solche volsschädlichen Elemente mussten ausgemerzt werden. Man kann sich das heute kaum vorstellen, aber viele Menschen haben tatsächlich daran geglaubt.

Ich habe die DDR zwei mal selber erlebt. Einmal, als ich meine damalige Freundin in west-Berlin besucht habe. Zum Einen haben wir gemeinsam einen Ausflug nach Ost-Berlin vorgenommen. Das war gar nicht so einfach. Es gab Grenzübergänge für Deutsche, und andere Grenzübergänge für nicht-Deutsche. Und meine Frau (dmalige Freundin) ist Spanierin. Aber wir haben einen Grenzübergang gefunden, wo wir beide rüber konnten. Die Menschen dort haben wir allgemein als freundlich (deutlich freundlicher als im Westen) kennen gelernt.

Zum Anderen haben wir die S-Bahn genutzt. Im Westen. Die wurde aber von Ost-Berlin betrieben. Das Personal haben wir als reichlich verbiestert wahrgenommen. Kein Wunder, waren doch für die Arbeit im Westen 150%ige Sozialisten notwendig, und die hatten jeden Tag mit dem Klassenfeind zu tun. sowas muss ja auf die Gesundheit gehen.

Den zweiten Kontakt mit Ost-Berlin hatte ich, als ich meine Heiratspapiere (Geburtsurkunde und so) holen wollte. Dazu musste ich nach Ost-Berlin. Dabei habe ich festgestellt, dass die Bürokratie im osten sich kaum von der Bürokratie im Westen unterschied. Der Homo Bürokratikus scheint unabhängig von der Gesellschaftsform immer gleich zu sein.

Was gibt's sonst noch Neues? Nicht viel. Ich laboriere immer noch mit meiner Erkältung rum. Nein, keine Grippe.- Und schon gar keine Schweinegrippe. Aber mir reicht das auch so schon.

Wegen Schweinegrippe wurden heute übrigens Schulen geschlossen. Wegen Ansteckungsgefahr. Die Schweinegrippe als Chance für die Zukunft? Klar, warum nicht? lernen kann man auch anders als im Frontalunterricht in überfüllten Klassenzimmern. Internet und Computer helfen dabei gewaltig. Im Outback in Australien ist so etwas Ähnliches schpon lange üblich. Dort sind die Wege bis zu einer möglichen Schuöe viel zu weit. Da werden die Kinder über Funk unterrichtet. Und das funktioniert.

Apropos Schule: Neueste Gehirnforschung belegt, dass zum Lernen Motivation, Interesse und Neugier Voraussetzung sind. Na toll. Und dafür hat man so lange gebraucht? Bei mir hiess es noch (wörtlich): Das Leben ist hart. Besser, die Kinder gewöhnen sich früh daran. Ich habe sie gehasst, die Schule.


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