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47% Hilfe

Wed, 05 Aug 2009 10:20:33 +0200

Jaja, die gute alte Zeit, als ein Programm namens Furore machte. Joseph Weizenbaum schrieb damals ein ganz simples Programm, das einen Psychiater simulierte. Und die Nutzer glaubten in der Tat, ihnen würde geholfen.

Nun gibt es eine Fortsetzung davon, MindMentor. Allerdings ist das keine Studie mehr, kein Experiment, sondern eine ernst gemeinte Hilfe. Und hier greift der Verriss des Monats. Es ist in der Tat beschämend, dass Menschen, die Hilfe brauchen, stattdessen einen Roboter vorgesetzt bekommen. Einen Roboter, der nach Aussagen der Betreiber zu 47% Hilfe leistet.

Doch wie sieht die Alternative aus? Menschen, die Hilfe brauchen, brauchen Menschen als Gegenüber. Nur will Niemand dieser helfende Mensch sein. Menschlichkeit ist in unserer Leistungsgesellschaft nicht gern gesehen. Wer Hilfe braucht, ist ein Versager und wird ins Hartz4-Lager verschoben. Menschlicher Sondermüll. Das ist die Art "Hilfe", die Menschen in dieser unserer Leistungs- und Ellenbogengesellschaft leisten. Ganz nach einem längst widerlegten alten Darwinschen Modell. Darwin ging noch davon aus, dass sich nur das stärkste Individuum durchsetzt, alle schwachen Individuen gehen unter. Und genau danach handelt unsere Gesellschaft. Dabei ist längst wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Kooperation vieler schwacher Individuen sehr viel mehr bringt als das Einzelindividuum, das sich auf Kosten aller Anderen durchsetzt. Doch diese Erkenntnis ist in unserer Gesellschaft noch nicht angekommen.

Wenn man nun dieses Abstellgleis am Rand der Gesellschaft als Alternative nimmt, dann sind 47% Hilfe durch einen Roboter noch immer ein brauchbarer Ausweg. Unsere Gesellschaft ist nicht in der Lage, die tatsächlich benötigte Hilfe selber zu leisten. Also müssen wohl Roboter ran, um wenigstens einen teil davon zu leisten. Roboter als die besseren Menschen.

In Japanischen Altersheimen gibt es seit einiger Zeit so etwas Ähnliches. Da gibt es einen Roboter in Form eines Robbenbabies, der nur dazu dient, den Alten einen Ansprechpartner zu bieten. Jemanden, den sie knuddeln können, der ihr Bedürfnis nach sozialen Kontakten befriedigt. Vermutlich auch nur zu 47%. Aber besser 47% als gar Nichts. Allerdings dokumentieren diese 47% die Unfähigkeit der Menschen zu menschlichem Miteinander.


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