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Bekenntnisliteratur

Sun, 06 Sep 2009 10:56:06 +0200

Es war schon immer üblich, dass, wer geschrieben hat, auch über sich selbst geschrieben hat. Hin und wieder sogar mehrfach. Manche schreiben gut und mitreissend, andere eher langweilig. Was nicht heissen muss, dass ihr Leben langweiliger ist. Vielleicht sind nur die Ausdrucksfähigkeiten nicht so umfangreich.

Früher haben hauptsächlich Profis geschrieben. In Zeiten des Blogs schreibt Jeder, auch Nichtprofis wie ich. Warum auch nicht? Was ich schreibe, ist nicht authentischer oder weniger authentisch als das, was bekannte Autoren schreiben. Nur eben nicht so gekonnt formuliert. Aber was soll's, ich schreibe schließlich hauptsächlich für mich. Und für mich ist meine Schreibe gut genug.

Und wenn ich über bestimmte Themen schreibe, dann sind das meine Themen. Es kann sein, dass ich heute über meinen Pickel schreibe, und mich morgen der große Weltschmerz befällt. Na und? Was ich schreibe, und wie ich schreibe, das ist meine Sache.

Wenn Menschen sich entschließen, über z.B. eine schwere Krankheit zu schreiben, und z.B. damit den Umgang mit dieser Krankheit erleichtert, warum denn nicht? Jeder Mensch ist einzigartig. Und jeder geht anders mit sich Selbst und seinem Schicksal um. Es steht Niemandem zu, darüber zu urteilen, ausser einem Punkt: Interessiert mich oder interessiert mich nicht. Jedenfalls, so weit es sich um Menschen ausserhalb des eigenen Umfelds handelt. Für die Menschen der persönlichen Umgebung sollte man auf jeden Fall Interesse aufbringen. Auch ohne, dass diese darüber schreiben.

Natürlich gibt es, wie immer im Leben, hier und da auch einen Hang zum Exhibitionismus. Den finde ich allerdings weniger lästig als den Hang zum Voyerismus, der anscheinend ein Merkmal der Mehrheit ist. Wie auch immer, so lange Niemand dadurch geschädigt wird, hat Jeder das Recht auf seine Eigenarten. Und die Gründe dafür sind Privatsache.

Das, was Michael Angele in dem Artikel in Freitag schreibt, finde ich gar nicht mal so schlecht. Allerdings teile ich seine Meinung nicht, dass zu diesen Themen Jeder besser die Klappe (oder den Stift) halten sollte. Wer sich durch den schreibenden Umgang mit Schicksalsschlägen besser fühlt, sollte schreiben. Punkt. Andere mögen das lesen oder auch nicht.

Schlingensiefs Kommentar dazu finde ich allerdings daneben. Naja, vermutlich war er einfach generell genervt und ist mit dem falschen Fuß aufgestanden. Kann ja mal vorkommen. Ist bestimmt sein erstes Klaustaler.


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