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Computerversteher

Wed, 30 Sep 2009 10:33:52 +0200

Das Editorial in der aktuellen c't ist lustig. Da steht unter dem Titel "das Ende einer Ära", dass die Zeit des "Computerverstehers" abgelaufen ist. Zum Teil hat er schon Recht. War es früher notwendig, einem drögen blinkenden Cursor per Tastatur eingegebenem Kommando eine sinnvolle Funktion zu entlocken, reduziert sich heute Alles auf intuitiv erfassbare Mausbewegungen. Hmm, naja, intuitiv…?

Aber die Entwicklung geht ja weiter. Und es ist schon richtig, dass der gemeine Computernutzer vom Computer weder etwas verstehen wird noch verstehen muss. Der Computer ist ein Werkzeug. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber zwei Punkte gibt es, die dem entgegen stehen. Zum Einen schreibt André Krämer selber:

Fühlen Sie sich nicht mehr dumm, wenn der Drucker nicht druckt. Bestehen sie auf Support, wenn Bedienoberfläche, Handbuch und Hilfe Sie nicht weiterbringen! Schuld sind nicht Sie, sondern der Hersteller, denn im Jahr 2009 erklärt sich Hardware und Software von selbst. Alles andere ist ein schlechtes Produkt.

Da hat er Recht. Und der Strom kommt aus der Steckdose. Wozu brauchen wir dann noch Kraftwerke?

Na, hat's geklingelt? Woher kommen die Produkte? Woher kommt der Support? Woher kommt Handbuch und Hilfe? Kramer hat insofern Recht, als dass nicht mehr jeder ein Computerversteher sein muss. Aber eine aussterbende Art ist der Computerversteher noch lange nicht.

Und es gibt einen zweiten Aspekt: Sicherheit! Wer nicht ein paar wenige Grundkenntnisse hat, dem wird Jeder jederzeit ein X für ein U vormachen können. Kriminelle Betrüger und Abzocker etwa, die genau darauf bauen, dass der Anwender keine Ahnung hat. Oder auch Politiker, die die abstrusesten Überwachungsmaßnamen initiieren, im Vertrauen darauf, dass der Anwender von der Materie keine Ahnung hat. Ein bisschen Verständnis für das, womit man da umgeht, bewahrt vor manch böser Überrasching.

Nicht umsonst gibt es die Führerscheinpflicht für das Auto. Niemand muss wissen, wie man einen Vergaser richtig einstellt (ich weiss das auch nicht). Aber man muss Gaspedal von Bremse unterscheiden können, und man muss die Verkehrsregeln kennen. Ansonsten kann das Auto zu einer tödlichen Gefahr werden. Mit dem Computer ist das ähnlich, auch wenn die Auswirkungen nicht unbedingt gleich tödlich sind. Aber Unwissenheit am Computer kann zum totalen Ruin führen.


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