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Demokratie nach US-Art

Sat, 22 Aug 2009 11:29:32 +0200

Die USA, das ist das Mutterland der Demokratie. Dort ist man so demokratisch (oder ggf. auch republikanisch), dass man diesen american way of life allen Anderen als Vorbild verkauft.

Wie bei Telepolis zu lesen ist, treibt diese vorbildlichste Demokratie aller Zeiten wieder einmal merkwürdige Blüten. So wurde jetzt einem Passagierflugzeug der Air France der Überflug verweigert, weil sich an Bord der EU-Parlamentarier Paul-Emile Dupret (genauer: ein Berater der Linksfraktion GUE/NGL im Europäischen Parlament) befand. Klar sind die USA demokratisch. Und sie zollen jeder Regierung und jedem Vertreter einer solchen Regierung Respekt. Jedenalls dann, wenn diese Regierung den USA genehm ist. Also keine Linken. McCarthy lässt grüßen.

Ist ja klar: Wer nicht die großen US Industriekonzerne unterstützt, und wer sich gar selber als politisch links einstuft, der muss ein Terrorist sein. Bestimmt einer, der das World Trade Center mit diesem Passagierflugzeug zerstören will. Ach, das ist schon kaputt? Ach so, naja, aber da gibt es ja noch andere Gebäude. Sobald ein legal und demokratisch gewählter linker Politiker an Bord ist, muss man doch davon ausgehen, dass dessen einziges Ziel die Zerstörung der USA sein muss. Paranoia? Aber nein! In den USA weiss man schließlich, was richtig ist. Und notfalls hilft der KuKluxKlan bei der Wahrheitsfindung. Wenn nötig mit der Knarre.

Apropos McCarthy: Interessant, was man da bei Wikipedia über ihn lesen kann. Insbesondere wenn man das mit der aktuellen Internetphobie unserer jetzigen Regierung vergleicht. Darth McSchäuble scheint seine Reinkarnation zu sein:

Von dem Standpunkt vieler konservativer amerikanischer Bürger aus war damals die Unterdrückung von Radikalismus und radikalen Organisationen in den USA ein Kampf gegen ein gefährliches subversives Element, eine von einer fremden Macht kontrollierte fünfte Kolonne. Diese Gefahr für das Land rechtfertigte in deren Augen auch extreme, sogar illegale Methoden. Die Menschen- und Grundrechte der Personen, die während des Konfliktes belangt wurden, weil sie der Spionage verdächtigt wurden, wurden dabei grob verletzt.

Na, erinnert Einen das nicht an jüngste Ereignisse? Wie wär's damit (ist jetzt mal rein fiktiv):

Von dem Standpunkt vieler konservativer deutscher Bürger aus war damals der Kampf gegen den Terror ein Kampf gegen ein gefährliches subversives Element, eine von Terroristen kontrollierte fünfte Kolonne. Diese Gefahr für das Land rechtfertigte in deren Augen auch extreme, sogar illegale Methoden. Die Menschen- und Grundrechte der Personen, die während des Konflikts belangt wurden, weil sie des Terrorismus verdächtigt wurden, wurden dabei grob verletzt.

Statt "Terrorismus" kann man wahlweise auch "Kinderpornographie" oder "Urheberrechtsverletzung" schreiben. Man ist eben heute flexibler geworden. Waren es noch zu McCarthys Zeiten nur die Linken, ist es heute praktisch Jeder. Ausser Darth McSchäuble natürlich, denn er hat sich ja selbst davon ausgenommen.


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