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Der kleine Unterschied

Sun, 23 Aug 2009 11:48:05 +0200

In der Berliner Morgenpost gabe es einen "offenen Brief" an Horst Schlämmer, den Lieblingskandidaten der Deutschen. Bei diesem Brief juckt es mich einfach in den Fingern, das Eine oder Andere zu kommentieren.

Zwei Punkte unterscheiden Sie von einem richtigen Politiker. Erstens: das Ziel. Sie wollen dieses Land nicht besser machen, gestalten oder opponieren — Sie wollen einfach nur Filmtickets verkaufen und Werbeverträge einheimsen. (…)

Ähm, wo ist denn da der Unterschied? Wer will dieses Land besser machen, gestalten oder opponieren? Da muss ich jetzt doch mal zur Lupe greifen und ganz genau suchen. Und ja, tatsächlich, man findet einen Unterschied: Horst Schlämmer will Filmtickets verkaufen und Werbeverträge einheimsen. Andere Politiker wollen Beraterverträge einheimsen. Beides soll ordentlich Kohle bringen. Ah ja, stimmt, als ein Unterschied ist tatsächlich zu sehen. Man muss nur genau genug hinschauen.

Sie übernehmen keine Verantwortung, sondern verstecken sich in Ihrer Witzewelt.

Also, hier finde ich einfach keinen Unterschied. Wer übernimmt denn Verantwortung? Sind nicht grundsätzlich, immer und von Natur aus die Anderen Schuld an Allem?

Und jetzt mal ganz ernsthaft: Ist es wirklich so blöd, Horst Schlämmer wählen zu wollen (wenn das denn ginge)? Eher nicht. Bisher war die einzige Möglichkeit, alle mehr oder weniger bekannten Parteien nicht zu wählen, ein Kreuz bei einer der exotischen Randerscheinungen. So konnte ein Schill in Hamburg Karriere machen. Aber Leute wie Schill sind gefährlich. Daher ist es gefährlich, dort ein Kreuz zu machen. Horst Schlämmer ist ungefährlich. Bei ihm ein Kreuz zu machen, würde die Situation zwar nicht verbessern, aber immerhin auch nicht verschlimmern. Es wäre daher eine recht ungefährliche Methode, alle mehr oder weniger bekannten Parteien nicht zu wählen. Horst Schlämmer zu wählen, hieße, das aktuelle Chaos genau so zu belassen, wie es ist, den Karren einfach im Sumpf stecken zu lassen, und wenigstens dabei Spaß zu haben und mal ordentlich lachen zu können. Mit Horst Schlämmer bekäme die politische Tragikomödie einen Tick mehr Comedy. Wenn es uns schon schlecht geht, dann ist es besser, darüber zu lachen als darüber zu heulen. Denn die Option, dass es uns besser geht, die gibt es leider nicht. Nicht bei Horst Schlämmer und nicht woanders.

Was macht ein Arbeitsloser, dem versprochen wird, demnächst würde er, Politiker sei Dank, Arbeit bekommen? Er fragt sich, für wie blöd er eigentlich gehalten wird. Und was, wenn Host Schlämmer verspricht: Yes, weekend? Johlende Zustimmung. Und Beide, Hape Kerkeling (aka Horst Schlämmer) und der Arbeitslose, wissen wie es gemeint ist. Eine Lösung für das Problem der Arbeitslosigkeit hat Niemand. Horst Schlämmer zeigt der Situation den Stinkefinger, und der Wähler erkennt, das ist die einzig noch verbleibende Wahrheit. Horst Schlämmer ist Politik, um all die Masken und Schminke der hohlen Phrasen erleichtert. Was übrig bleibt, ist Horst Schlämmer: Habe Rücken, brauche Kreuz. Das ist es, was übrig bleibt, wenn man die Politik entblättert, all die Tünche entfernt und zum Kern vorstößt. Ein armseliges Häufchen Elend im schlecht sitzenden Trenchcoat. Eine Witzfigur, die der Welt zeig, wer und was wir sind.


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