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Erika Steinbach

Fri, 27 Feb 2009 15:06:47 +0100

Erika Steinbach - Vorsitzende des Vertriebenenverbandes und rotes Tuch für die Polen. Eine Menge Zündstoff. Und eine Menge Falschinformationen auf allen Seiten.

Wahr ist, dass Erika Steinbach selber keine Vertriebene ist. Sie ist als Tochter eines Besatzungssoldaten eher zufällig in einem Dorf zur Welt gekommen, das heute polnisch ist. Wahr ist auch, dass ihr Vater aus Schlesien stammt. Man könnte also sagen, dass sie zwar persönlich keine Vertriebene ist, aber immerhin eine durch die Vertreibung Geschädigte.

Die Propaganda in Polen nun ist genau das: Billige Propaganda. Doch was die Polen machen, ist deren Problem. Ich bin kein Pole, und ich lebe nicht in Polen. Ich bin Deutscher, wohne in Hessen, und bin ebenfalls einerseits kein Vertriebener, andererseits ein durch die Vertreibung Geschädigter. Meine Großeltern stammen aus Pommern. Mein Urgroßvater wurde noch mit 90 Jahren vertrieben. Er war Pfarrer. Und er hat die Vertreibung überlebt, wenn auch nicht lange. Daher denke ich, dass ich zu diesem Thema wohl genauso autoritativ Etwas sagen kann wie Erika Steinbach.

Ja, die Vertreibung war und ist Unrecht. Dem ist nun mal so. War ist auch, dass Diejenigen, denen von z.B. Erika Steinbach die Schuld für dieses Unrecht gegeben wird, selbst Opfer waren. Und zwar zur Hälfte Opfer von Hilter (und Deutschland), und zur Hälfte von Stalin. Das macht das Unrecht nicht zum Recht, ist aber immerhin bemerkenswert. Man könnte also sagen, die Polen haben mit der Vertreibung ein Unrecht durch ein anderes gerächt. Man mag es vielleicht gegeneinander aufrechnen, aber Unrecht bleibt Beides trotzdem. Interessant ist nun, dass Etliche dieses Vorgehen Polens, also ein Unrecht durch ein anderes Unrecht auszugleichen, als veruteilenswert darstellen. Schön. Also, das Ausgleichen eines Unrechts durch ein anderes Unrecht ist falsch. Dem kann ich zustimmen. Doch wie sehen die Konsequenzen aus? Sollen wir nun dieses Unrecht dadurch ausgleichen, indem wir wieder Unrecht begehen? Ist es nicht genau das, was wir verurteilen?

Wer die Anerkennung der heutigen Grenzen ablehnt, verlangt also, dass wir genau das tun, was wir verurteilen: Unrecht mit Unrecht zu "bekämpfen". Das ist grundfalsch. Recht im eigentlichen Sinne gibt es hier schon lange nicht mehr. Was es geben könnte, und was dringend notwendig wäre, das wäre Vergebung.

Dabei ist es wichtig, dass Jeder vor der eigenen Haustür kehrt. Wir Deutsche, gerade die Vertriebenen (oder auch die durch Vertreibung Geschädigten) sollten endlich anfangen, Polen zu vergeben. Nicht auf Entschädigung, Wiedergutmachung, Recht auf Rückkehr und wer weiss noch alles pochen, sondern bedingungslos vergeben. Der Umgang mit diesem Thema in Polen zeigt, dass man sich dort der eigenen Schuld durchaus bewusst ist, diese jedoch auf Teufel komm raus leugnet. Doch es ist nicht unsere Aufgabe, von Polen Etwas zu verlangen. Unsere Aufgabe ist es, unsere eigene Gegenwart in die Hand zu nehmen. Und das setzt Vergebung voraus. Vergebung für die Vertreibung genauso wie Vergebung für z.B. die Bombardierung Dresdens.

Dieser scheiß-Hitler hat uns Alle zu Opfern gemacht. Nicht nur uns Deutsche.


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