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McSex

Fri, 05 Jun 2009 09:33:13 +0200

So heisst ein neues Buch von Myrthe Hilkens. Ich bin gestern abend beim Zappen zufällig darüber gestolpert. Da lief FrauTV. Ich habe zufällig reingezappt bei dem Artikel zum Thema Generation Porno. Die Kommentare dazu haben mir ganz gut gefallen.

Sex ist heutzutage nicht mehr die schönste Nebensache der Welt. Sex ist einerseits eine Ware. Eine Art billiger Luxusartikel. Und andererseits ein Leistungsdruck. So ähnlich wie das Auto: Wenn der Nachbar einen größeren hat, braucht man selber unbedingt einen noch größeren. Leistungsdruck eben. Die allgegenwärtige Show der Omnipotenz. Der Mensch wird nach Leistung bewertet. Wer nicht genug leistet, gehört zum Müll. Die Begriffe Untermensch und unwertes Leben kommen in diesem Zusammenhang in den Sinn.

Wer heutzutage nicht zumindest vorgibt, ständig Sex zu wollen und zu können, ist abartig und/oder pervers. Oder man wird gleich mit mittelalterlicher Sexual- und Körperfeindlichkeit in Verbindung gebracht, wobei dann die Verbindung zu Aberglauben und Hexenverbrennungen nahe liegt oder gelegt wird. Pornographische Bilder überall. Alter Werbegrundsatz: Sex sells. Und wer darauf nicht anspringt, gehört nicht dazu. Und wer drauf anspringt, ist als Mann ein Chauvinistenschwein und als Frau eine Hure. Solche negativen Images zu besetzen gehört also heute zur Pflicht. Nicht umsonst sagt man: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen kommen überall hin.

Dabei ist Sex überhaupt nichts Böses. Ganz im Gegenteil. Aber heute wird Sex zu etwas Bösem gemacht, und gleichzeitig dafür gesorgt, dass Sex (und damit das Böse) zur Pflicht wird. In was für einer verdrehten Welt leben wir eigentlich?

So gesehen ist das andere Extrem, der Islam, eigentlich das Selbe: Sex wird zum ultimativ Bösen stilisiert. Der Unterschied ist nur, dass im Islam Sex vor der Ehe eine Todsünde ist (weit schlimmer als der anschließende Mord an der "Sünderin"), der Sex in der Ehe dann aber zur Pflicht wird (Afghanischer Gesetzesentwurf). Hier ist das umgekehrt: Sex vor oder ausser der Ehe wird zum Pflichtprogramm, und Sex in der Ehe zur drögen und lästigen Pflichterfüllung, vergleichbar mit dem Staubsaugen oder den Müll raustragen. Wie bekloppt kann man eigentlich sein?


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