Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Orgasmus oder Politik

Tue, 24 Feb 2009 13:01:19 +0100

Was geht mich Vietnam an? Ich habe Orgasmusschwierigkeiten.

Schon erstaunlich, mit wie wenigen Worten man die heutige Kultur treffend und umfassend charakterisieren kann. Grundsätzlich kann ich Roberto J. De Lapuente zustimmen. Allerdings sehe ich die Dinge doch ein Bisschen anders.

Ich denke, der durchaus ehrbare Wunsch, die Welt zu verändern, hin zu einer Utopie, ist selbst nur eine Utopie. Die Menschen sind nun mal nicht "von Natur aus gut". Die Bibel sagt dazu so schön treffend: Da ist nicht Einer, der gerecht wäre. Das dürfte die menschliche Spezies wesentlich realistischer charakterisieren als:

Diejenigen, die ihren Blick nur bis zum Horizont schweifen lassen und sich darauf beschränken, das zu betrachten, was man sieht, diejenigen, die sich zum Pragmatismus bekennen und nur mit dem auszukommen trachten, was da ist, haben keinerlei Chance, die Welt zu verändern... Nur diejenigen, die auf das blicken, was man noch nicht sieht, diejenigen, die über den Horizont hinausblicken, sind realistisch. Die haben eine Chance, die Welt zu verändern... Die Utopie ist das, was hinter dem Horizont liegt... Unsere analytische Vernunft weiß ganz genau, was wir nicht wollen, was man absolut ändern muss... Aber das, was kommen soll, was wir wollen, die ganz andere, neue Welt, kann uns nur unser inneres Auge, nur die Utopie in uns zeigen.

Wer darauf hofft, dass die Menschheit in der Lage sein wird, diese Utopie aus eigener Kraft zu erreichen, wird wieder und wieder enttäuscht werden. Es liegt nun mal nicht in der menschlichen Natur, die Welt zu verbessern. Ein aufrechter Christ ist nun Jemand, der trotz dieser Erkenntnis und trotz dieses Wissens das tut, was richtig ist. Und dazu kann durchaus ein Engagement an Suppenküchen gehören. Nicht, weil dadurch versucht werden soll, die Welt zu verbessern, sondern weil man ganz persönlich helfen will. Die Welt zu verbessern, das haben schon zu Viele versucht und zu Viele von sich behauptet. Selbst ein Hitler hat behauptet, die Welt zu verbessern, indem er sie von allem Bösen befreit. Schwachsinn ist das. Und leider wird der Schwachsinn nicht besser, wenn man aus humanistischen Motiven heraus versucht, die Welt zu verbessern. Es wird nicht gelingen.

Was man tun kann und sollte, ist, Gelegenheiten suchen und ergreifen, wo auch immer sie sich bieten, um das zu tun, was richtig ist. Es wird die Welt als Ganzes nicht ändern. Aber vielleicht ändert es einen Menschen. Und das ist es allemahl wert.

Das hat übrigens auch Nichts mit Pragmatismus zu tun. Auch Nichts mit Fatalismus. Das bedeutet nichts Anderes, als auf dem gegebenen Posten zu kämpfen, auch und gerade in dem Bewusstsein, dass dieser Kampf ohne Gottes Beistand verloren sein wird. Es bedeutet ein Ausharren auf einem nach menschlichen Maßstäben verlorenen Posten. Das geht nur mit Vertrauen. Glaube ist ein Synonym für Vertrauen. Das Gute daran ist, ein Christ ist nicht darauf angewiesen, den Erfolg seiner Arbeit selber zu sehen, zu beurteilen und zu messen. Ein Christ kann durch den Misserfolg seiner Arbeit nicht enttäuscht werden. Ein Christ blickt nicht nur hinter den Horizont und entdeckt dort in der Ferne eine unerreichbare Utopie, ein Christ lebt diese Utopie hier und jetzt.

Darüberhinaus muss ein Christ sich diese Utopie, in der er lebt, nicht selber erarbeiten. Wie ich oben bereits geschrieben habe, liegt die Fähigkeit dazu nicht in der menschlichen Natur. Ein Christ verlässt sich darauf, dass diese Utopie durch Christus bereits erschaffen wurde, und lebt einfach in dieser Utopie. Für einen Christen wird diese Utopie damit zur gelebten Realität. Und das, ohne den Blick auf die düstere Realität der Anderen dabei zu verlieren. Die Perspektive ist eine Andere. Ein Nichtchrist blickt aus dem real existierenden Misstand hinter einen für ihn unerreichbaren Horizont und entdeckt dort (vielleicht) eine Utopie. Ein Christ lebt in dieser Utopie, sie ist für ihn Realität, und er blickt zurück hinter den Horizont und sieht dort die Realität der Übriggebliebenen. Eine Realität, aus der er einst selber herkam. Eine Realität, die er demnach aus eigenem Erleben kennt. Kein abgehobenes "Wolke Nummer 7", sondern selbst erlebtes Wissen und selbst erlebte Erfahrung aus zwei unterschiedlichen Welten.

Bedauerlicherweise halten zu Viele von Denen, die diese Erfahrung nicht haben, eben diese für eine Halluzination. Schade drum.


0 Kommentare