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Rentner-TÜV

Wed, 22 Jul 2009 10:11:14 +0200

Dreibein Peter hat sich Gedanken darüber gemacht, was zur Zeit so von Politikern und Verantwortlichen "gedacht" wird in Zusammenhang mit dem Unfall kürzlich im Sauerland. Noch mal kurz den Hergang rekapituliert: Da findet ein Schützenfest-Umzug statt. Der Umzug wird gesichert. Der Unfallfahrer, ein 79 Jahre alter Mann, hat anscheinend zunächst hinter einem der Sicherungsfahrzeuge gewartet, bis es ihm zu lang wurde. Dann hat er ausgeschert, überholt, und ist in die Menge gefahren.

Als Resultat wird nun der Rentner-TÜV gefordert. So, als ob Senilität oder Demenz Schuld an dem Unfall wären. Dreibein hat in seinem Artikel schon mal darauf aufmerksam gemacht, dass, sagen wir mal, psychische Defizite bei Jugendlichen häufiger zu Unfällen führen als bei Alten. Bei Alten nimmt man Demenz an. Bei Jugendlichen sind diese Defizite Selbstüberschätzung, Leichtsinn und Unerfahrenheit. So gesehen wäre der geforderte Rentner-TÜV eigentlich sinnvoll für jeden einzelnen Autofahrer.

Doch was ich nach dem Unfallhergang vermute, ist eigentlich etwas total Anderes als Demenz als Ursache. Das war weder ein Schwächeanfall noch Ausdruck von Demenz. Das war etwas Anderes. Je älter man wird, desto mehr festigen sich lange entwickelte Charaktereigenschaften. Ungeduld und Egoismus sind Charaktereigenschaften. Und zwar solche, die nicht mit dem Alter zusammenhängen. Das sind Eigenschaften, die man auch in jungen Jahren schon haben kann. Der Unterschied ist nur, dass solche wie auch andere Eigenschaften im Laufe des Lebens verfestigt werden. Das heisst nun nicht, dass Alte immer egoistisch und ungeduldig sein müssen. Es heisst einfach nur, dass, wer in jungen Jahren ungeduldig und egoistisch ist, das im Alter erst recht sein wird. Und wer in jungen Jahren geduldig und selbstlos ist (oder es lernt, so zu sein), der wird das im Alter erst recht sein.

So gesehen macht ein regelmäßiger Fahrer-TÜf bereits in jungen Jahren Sinn. Hier könnte man vielleicht bei jungen Fahrern ein Bisschen toleranter sein als bei alten, in der Hoffnung, dass sich da noch Etwas zum Positiven hin verändert. Bei Alten ändert sich da nicht mehr viel. Aber wer in jungen Jahren bereits eine deutliche Entwicklung hin zu z.B. Ungeduld und Egoismus zeigt, der zeigt eben bereits in jungen Jahren, dass er unfähig ist, am Straßenverkehr teilzunehmen. Und wer im Alter die Fähigkeit zur Teilname am Straßenverkehr nachweist, sollte dann logischerweise auch seltener zu solch einem Test. Denn, wie gesagt, solche Eigenschaften ändern sich im Alter nicht mehr oder kaum noch. Fahr-TÜV bestanden oder nicht ist damit keine Altersfrage. Das ist eine Frage des Charakters.


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