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Selber machen

Thu, 26 Feb 2009 11:15:15 +0100

Schüler (und Lehrer?) putzen jetzt in Hildesheim und Müllheim ihre Schule selber. Das läuft unter Sparmaßnamen. So weit, so gut. Doch insgesamt gibt es dazu drei oder vier Dinge anzumerken.

Erstens ist es für die Schüler durchaus von hohem erzieerischem Wert, ihre Umgebung selber zu putzen. Sie lernen dadurch, Verantwortung zu übernehmen. Gerade in Zeiten, in denen Schulen oft genug durch Vandalismus mutwillig ruiniert werden, ist so eine Maßname sehr sehr sinnvoll. Allerdings hängt hier viel davon ab, wie die Lehrer damit umgehen. Ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern, in der zwei Lehrer berüchtigt dafür waren, nach dem Klingeln noch schnell Schüler aufzuhalten, die nicht schnell genug verschwunden waren, und dann von denen in bester Kasernenhofmanier zu verlangen, überall in allen Klassenräumen die Stühle hoch zu stellen. Diese beiden Lehrer waren nicht nur heiss geliebt, die Schüler wollten auch freiwillig so lange wie möglich in der Schule bleiben. Klar, so lernt der Schüler genau die Art von Sozialverantwortung, die erwünscht ist: Militärischer Kadavergehorsam. Mit einem pädagogisch sinnvollen Umgang damit könnte Sowas allerdings mehr als nützlich sein. Und die Schule hat ja schließlich einen Erzieungsauftrag. Die Kinder sollen auf das Leben vorbereitet werden, und nicht nur mit Fachwissen vollgestopft werden (zumindest ist das die Theorie).

Auf der anderen Seite beweist das Ganze wieder einmal, wer in der Lage ist, soziale Verantwortung zu lernen und zu übernehmen: Die Lehrer und Schüler. Denn hat etwa Irgendjemand davon gehört, dass der Bürgermeister jetzt ebenfalls sein Büro selber putzt? Eben! Also: Wer übernimmt soziale Verantwortung? Die am unteren Ende der Gehaltsskala und die, die noch gar keinen Wert für unsere Konsumgesellschaft haben, die Kinder. Und wer ist nicht in der Lage, soziale Verantwortung zu übernehmen? Die, die offensichtlich ein zu hohes Gehalt haben, ohne es zu verdienen.

Und zuletzt ist dies ein Armutszeugnis der Verantwortlichen. Sie haben bewiesen, dass sie ihrer Verantwortung gegenüber den Kindern nicht gerecht werden können. Wer hier sparen muss, hat versagt.

Und so ganz nebenbei kostet das auch wieder Arbeitsplätze. Die so freigesetzten Putzen können in Zukunft soziale Verantwortung übernehmen. Die können das nämlich.


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