Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Unangemessen

Sun, 02 Aug 2009 10:11:57 +0200

Oops – da wollte ich ein Video ansehen, dessen Adresse ich bei Pixella gefunden habe. Ein Video über Patzer bei der Berichterstattung über Harry Potter. Also Nichts, bei dem man irgendwelche anstößigen Inhalte vermuten würde. Und was meldet Youtube:

Dieses Video bzw. diese Gruppe enthält möglicherweise Inhalte, die für einige Nutzer unangemessen sein können, und wurde daher von der YouTube-Community gemeldet.
Damit du dieses Video oder diese Gruppe anzeigen kannst, musst du bestätigen, dass du mindestens 18 Jahre alt bist, indem du dich anmeldest oder ein Konto erstellst.

Na toll. Ich will aber kein Konto erstellen. Ich will nicht meine Daten bei allen möglichen und unmöglichen Firmen rumfliegen haben. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass hier was schief läuft.

Im Grundsatz kann ich es verstehen, dass man versucht, bestimmte Inhalte von Kindern fern zu halten. Pornos und Gewaltvideos zum Beispiel. Aber wieso sollte man diese Aufgabe einer amerikanischen Firma überlassen? Wären hier nicht eigentlich die Eltern gefragt? Oder sind die heillos überfordert? Wie wäre es dann mit Schulungen?

Ich halte es für sehr bedenklich, wenn das, was unsere Kinder sehen dürfen, und was nicht, von einer US-Amerikanischen Firma bestimmt wird. Die USA haben bekanntermaßen andere Wertmaßstäbe als wir Europäer. Wenn in den USA einer Janet Jackson beim Abendball ein Busen aus dem Kleid rutscht, dann geht in den USA die Welt unter. Etwas, vor dem US-Kinder unter allen Umständen und mit allen Mitteln "geschützt" werden müssen. In Europa sieht man Sowas zum Glück lockerer. Ich finde es richtig, dass Kinder einen natürlichen und gesunden Umgang auch mit dem Anblick nackter Körper entwickeln. Durch den Anblick eines nackten Körpers wird schließlich Niemand geschädigt. Ganz anders sieht es aus mit Gewaltdarstellungen. Diese sind in den USA beliebt, besonders bei Kindern. Und Niemand macht sich dort Gedanken darüber. Hier in Europa sieht man das kritischer und differenzierter. Und das mit Recht. Wenn man nun die Beurteilung, was für Kinder geeignet ist, und was nicht, einer US-Amerikanischen Firma überlässt, überlässt man unsere Kinder damit den US-Moralvorstellungen, die ich, gelinde gesagt, für zweifelhaft halte.

Dabei gibt es durchaus Mittel, ohne solche Zensur jedweder Moralvorstellung gerecht zu werden. Man kann Webseiten so markieren, dass maschinenverwertbar dabei steht, ob die Seite Pornos oder Gewaltvideos oder was auch immer eventuell nicht Wünschenswertes enthält. Dafür gibt es einen Standard: PICS. Mit einer solchen Markierung könnten die Browser (oder Proxies) von den Eltern so konfiguriert werden, dass die Kinder nur das zu sehen bekommen, was die Eltern für geeignet halten. Damit würde den Eltern ein Hilfsmittel an die Hand gegeben werden, ohne ihnen die Authorität weg zu nehmen. Das wäre nicht nur sinnvoller als diese "Kontrolle von oben", sondern hätte auch wesentlich weniger Gefahren. Solch ein Markierungssystem ist immer eine Option und kann daher nicht für Zensurzwecke missbraucht werden. Von oben verordnete Zensurmaßnamen hingegen schon.

Und ich würde nicht mit einem derartigen Mist belästigt werden.


0 Kommentare