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Vietnam-Afghanistan-Irak-Somalia

Tue, 14 Apr 2009 10:02:24 +0200

Der von Piraten als Geisel gehaltene US-Amerikanische Kapitän ist wieder frei. Das finde ich gut. Piraterie ist durch Nichts zu rechtfertigen, auch nicht durch Armut und Hunger. Bis hierhin finde ich das, was abgelaufen ist, richtig und konsequent. Auch, dass jetzt die Piraten tönen, sie würden sich rächen, war zu erwarten. Eine Eskalation der Gewalt wird das Resultat sein. Aber aus Angst vor einer solchen Welle der Gewalt auf die Befreiung einer Geisel zu verzichten wäre auch falsch gewesen.

So weit, so schlecht. Doch was mir Sorgen macht, ist, wie Obama nun damit umgeht. Er scheint in die gleiche Falle zu rennen wie seine Vorgänger. Sinngemäß und zusammengefasst heisst es ja bei Obama, man habe der Welt nun gezeigt, wie man mit Piraterie umzugehen habe. Die Uramerikanische Antwort auf Gewalt heisst wieder einmal Gewalt. Und das, obwohl die Geschichte wieder und wieder gezeigt hat, dass das nicht funktioniert.

Natürlich ist in einem konkreten Fall wie diesem Gewalt ein notwendiges Übel. Aber damit kann man die Piraterie nicht stoppen. Um das zu stoppen, müssen die Ursachen bekämpft werden. Als da wären: Hunger, Krieg, Terror, Armut, Perspektivlosigkeit. Dazu bedarf es guter Konzepte. Und Geld. Allerdings wahrscheinlich weniger Geld als die Militäraktionen kosten werden. Desweiteren muss solch ein Konzept unter Respektierung der lokalen Gegebenheiten erstellt werden. Es dürfte sehr nach hinten losgehen, wenn man dort einfach den American Way of Life durchdrücken will. Ebensowenig kann es ein gutes Konzept sein, wenn man die Somalis als ewige Almosenempfänger durchfüttert. Hilfe zur Selbsthilfe sowie eine faire Chance auf dem Weltmarkt wären bessere Ansatzpunkte.

Das größte Problem dabei sind die Somalis, die gelernt haben, dass man durch Krieg und Piraterie reicher werden kann, als es durch anständige Arbeit jemals möglich wäre. Dass sie damit die Zukunft ihrer anderen Landsleute und ihrer Kinder verspielen, ist diesen Piraten nicht bewusst. Niemand, der ein Millioneneinkommen hat, wird freiwillig darauf verzichten und zu einem vernünftigen Einkommen, verdient durch harte Arbeit, zurückkehren wollen. Das tun ja noch nicht einmal unsere ach so zivilisierten Topmanager. Deren Einkommen liegt in der gleichen Größenordnung, wenn auch nicht aus der Not heraus so geworden wie bei den Somalis. Aber verzichten? Niemals! Diese Menschen, egal, ob nun Topmanager, Piraten oder Kriegstreiber, sind ein Problem für jede Gesellschaft. Eine zivilisierte Gesellschaft mit einem gewissen Wohlstand kann eine Belastung durch solche Menschen aushalten. Eine somalische Gesellschaft, die am zusammenbrechen ist, kann das nicht.


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