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Webdesigner

Sun, 01 Feb 2009 11:13:33 +0100

Sorry, dass ich mich erst heute wieder melde.

In unserer Tageszeitung, dem Darmstädter Echo, gibt es jeweils Samstags eine Beilage mit Stellenanzeigen und Karrieretipps. Diesmal zum Beruf des Webdesigners. Und da musste ich denn doch ein Wenig schmunzeln.

Ich biete ja auch so etwas Ähnliches wie Webdesign an. Da dieser Begriff sich allerdings verselbstständigt hat und nicht das bezeichnet, was ich tue, wende ich für mich diesen begriff lieber nicht an. Am ehesten trifft bei mir noch der Begriff "Webcoding" zu. Ich bin Programmierer, kein Grafiker. Zwar habe ich Grundkenntnisse in Farbpsychologie und Layout, aber mein Talent im Bildchenmalen geht gegen Null. Dafür achte ich auf Zugänglichkeit und Barrierefreiheit.

Schmunzeln musste ich, als ich in dem Artikel las, dass Webseiten heute mit dafür spezialisierten Editoren erstellt werden, die die Arbeit "erleichtern". HTML-Code von Hand mit einem Texteditor zu erstellen, das würden nur die "ganz Harten" machen. Nun, ich mache das genau so. Aber nicht, weil ich eiuner der "ganz Harten" wäre. Für mich ist das einfach praktischer so. Bevor ich mich mit den Schwächen eines solchen Programms herumschlage und versuche, bestimmte Ergebnisse zu erzielen, obwohl das Programm genau Dies so nicht vorgesehen hat, da schreibe ich das lieber von Hand. Das geht schnell, ist effektiv, und ich habe die komplette Kontrolle über das Ergebnis und bin unabhängig von den "Fähigkeiten" oder eben "Nicht-Fähigkeiten" irgendwelcher Software. Zwar habe ich inzwischen ein paar Tools selbst erstellt, die mir in der Tat das Leben erleichtern, aber diese Tools kann ich, wenn es sein muss, jederzeit anpassen. So wird dieser Feed beispielsweise in zwei Schritten aus einer einfachen Textdatei erstellt. Zunächst wird per Shell-Script daraus ein RSS-Feed gemacht. Im zweiten Schritt werden dann aus diesem Feed HTML- und XHTML-Dateien per XSL erstellt. Beides, sowohl das Shellscript, als auch die XSL-Templates, stammen von mir und können somit jederzeit von mir angepasst werden.

In Einem hatte der Artikel allerdings Recht: Wer heute als Webdesigner seine Brötchen verdienen will, sollte sich warm anziehen. Die Konkurrenz ist groß. Erschwerdend kommt Etwas hinzu, das ich aus der Softwareentwicklung seit den Urzeiten der IT kenne: Die Kunden, also, die, die die Arbeit bezahlen sollen, haben keine Vorstellung von dem, was man da tut. Die Meisten glauben, das sei so ähnlich wie Briefeschreiben. Nun, in der Softwareentwicklung kommt man mit "Briefeschreiben" nicht weit. Im Webdesign kommt man mit Briefeschreiben immerhin so weit, dass der Kunde erst mal beeindruckt ist. Gerade Grafiker können auf dem Bildschirm Etwas hinzaubern, das beim Kunden einen "Ah..." Effekt hervorruft. Das böse Erwachen kommt dann später. Es kommt dann, wenn die Site nicht den gewünschten wirschaftlichen Effekt hat. Erst dann kommen Manche auf den Gedanken, dass der Kunde, um den es ja in dieser Webseite geht, vielleicht andere Hardware hat als der Firmenchef, der vom Ergebnis des Grafikers so beeindruckt war. Oder die Zeiten ändern sich, und die technische Entwicklung schreitet voran. Und mit einem Mal ist die Seite unbrauchbar. Nicht, weil der Inhalt als solcher obsolet wäre, sondern weil dieser Inhalt beim Kunden gar nicht mehr ankommt. Der Inhalt ist schlicht unzugänglich.

Um ein Beispiel zu nennen, das mich persönlich tangiert: Ein Pixel war früher sehr viel größer als heute. Die heutige Technik erlaubt es, die sogenannte "Auflösung" immer weiter hochzuschrauben. Das bedeutet nichts Anderes, als dass die Pixel immer kleiner werden. Seiten, die vor 10 Jahren erstellt wurden, bei denen diverse Größen in Pixeln angegeben wurden, sind heute für mich unleserlich. Einmal, weil die Pixel heute so klein sind, dass auch gut sehende Mitmenschen damit ihre Probleme haben, zum Anderen, weil ich inzwischen bedeutend schlechter sehe. Gut, die Browserhersteller haben da inzwischen Werkzeuge eingebaut, mit denen man die Seite dann vergrößern kann. Aber muss das denn sein, dass ich als Kunde die Firmenwerbung erst mal einer Bearbeitung unterziehe, bevor ich sie lesen kann? Ist das nicht das Gegenteil von Werbung? Unleserliche Werbeprospekte landen bei mir sofort im Altpapiercontainer. Sofort und ohne Nachzudenken. Warum sollte es bei Webseiten anders sein?

Nun ja, aus allen diesen Gründen biete ich Webseitenerstellung nur nebenberuflich an. Meine Brötchen kann ich damit nicht verdienen. Dazu ist das Interesse an solider Arbeit sowie die Bereitschaft, dafür auch ordentlich Geld zu bezahlen, zu gering. Von der Softwareentwicklung kann ich leben, wenn auch zur Zeit eher schlecht als recht. Von Webdesign könnte ich nicht leben.


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