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Wie gehts weiter

Tue, 29 Sep 2009 12:13:09 +0200

Wie soll es nun weiter gehen? Oder wie wird es wohl weiter gehen? Wie bei Weissgarnix in einem der Kommentare sehr richtig bemerkt wurde: Da, wo die SPD jetzt hin müsste, da steht bereits die LINKE. Die SPD von heute ist nur noch ein leeres Gefäß ohne Inhalt, das gerade zerfällt. Doch wohin mit den Wählerstimmen?

Ein Großteil ist ja abgewandert in das Lager der Nichtwähler. Verständlich. Habe ich in der Vergangenheit auch gemacht, mangels wählbarer Alternative. Diesmal habe ich gewählt, aber nicht die SPD. Ein sehr kleiner Teil der früheren SPD-Wähler ist wie ich abgewandert zu den Piraten. Diese vertreten zwar keine klassisch linken Positionen, sind aber duch das, was sie vertreten, die einzig echte Mitte. Also das, was die SPD angeblich sein wollte (die neue Mitte).

Auch zu den Grünen sind viele abgewandert, was ich verstehen kann. Das macht einigermaßen Sinn. Warum Viele zur FDP abgewandert sind, kann ich hingegen weniger verstehen. Hat das was damit zu tun, dass sich der eigentliche Held der Wiedervereinigung, Genscher, eingemischt hat? Dem Mann gebührt zweifellos Respekt. Vielleicht sind die Abwanderer zur FDP Nostalgiker, die noch der einstmals gut funktionierenden Koalition mit der SPD anhängen, Damals, zu Zeiten von Brandt und Genscher. Lang lang ist's her.

Einige wenige konsequent linke SPDler sind wohl konsequenterweise zu den LINKEn abgewandert, wie seinerzeit der Oskar. Nur hat diese Partei einen erfolgreich durch die Medien geschürten denkbar schlechten Ruf. Eigentlich stehen die LINKEn genau da, wo die SPD hin müsste. Pech gehabt, Platz schon besetzt. Die SPD zieht es immer noch vor, der CDU ihren angestammten Platz streitig zu machen. Wenn diese Taktik fortgesetzt wird, wird die SPD bald unter die 5% Hürde rutschen.

Doch was dann? Rein logisch wäre die LINKE die angemessene Nachfolgepartei. Aber diese Partei hat einerseits mit ihrem schlechten Image zu kämpfen, andererseits auch immer noch mit SED Altlasten. Es wird lange dauern, bis die LINKE eine wirkliche Alternative zum tiefschwarzen Block darstellt.

Die LINKE wird nicht die ganze Bandbreite der SPD-Politik abdecken können, dazu steht sie vielleicht etwas zu weit links. Den Rest können aber sehr gut die Grünen und die Piraten abdecken. Brauchen wir also überhaupt noch eine SPD? Rein von den Fakten her eigentlich nicht. Doch ein zu schnelles Verschwinden dieser Partei wird zu einem Loch links vom schwarzen Block führen. Ein Loch, das so schnell nicht ausgefüllt werden kann. Weder durch Grüne, noch durch Piraten, noch durch Linke. Da würden einige furchtbare Jahre auf uns zu kommen.

Naja, vielleicht schafft die SPD ja tatsächlich einen Erneuerungsprozess. Allerdings wird sie sich dann mit den Linken um Glaubwürdigkeit streiten müssen. Das wird nicht leicht werden. Glaubwürdigkeit links von der Mitte, das hat die SPD gründlich verspielt. Vermutlich auf Dauer. Und wenn sie Glaubwürdigkeit hier zurückgewinnen kann, dann immer in Konkurrenz zu den Linken. Nun ja, Konkurrenz soll ja das Geschäft beleben. Und Glaubwürdigkeit rechts von der Mitte, da, wo die CDU ist, hat die SPD trotz jahrelanger intensiver Bemühungen nie gewinnen können.

Alles in Allem weiss ich nicht so recht, was ich mir wünsche. Nostalgisch bin ich nicht veranlagt. Vergangenheit ist Vergangenheit. Man kann am Lagerfeuer von den guten alten Zeiten schwärmen, aber für die Gegenwart muss das keine Relevanz mehr haben. Die Frage ist nun: Will ich die SPD als Teil der Vergangenheit sehen, oder will ich sie als Teil der Zukunft sehen?

Über die Gegenwart und die kommenden 4 Jahre mache ich mir keine Illusionen. Die werden furchtbar werden. Doch was kommt danach? Was wünsche ich mir für danach? Ich weiss es nicht wirklich. Bis ich es weiss, werde ich weiterhin Piraten wählen, das scheint mir immer noch am sinnvollsten zu sein. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich also zur nächsten Bundestagswahl wieder Piraten wählen. Und was die fernere Zukunft angeht, werde ich abwarten und mir eine Meinung bilden, wenn es so weit ist. Rein theoretisch schließe ich nicht mal aus, dass ich irgendwann sogar wieder mal SPD wählen werde. Aber diese Möchtegern-Neoliberalen von heute? Niemals. Bevor ich wieder die SPD als wählbar in Betracht ziehe, muss sie eine glaubwürdige Politik im Interesse der sogenannten "kleinen Leute" vertreten. Und nicht eine Politik im Sinne der internationalen Finanzhaie, wie noch von Schröder ganz offen vertreten.


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