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Wüster Strom

Sun, 19 Jul 2009 12:00:42 +0200

Desertec - Die Lösung?

Klimaschutz hin, Wüstenstrom her. Ist ein riesiges Solarkraftwerk in der Sahara die Lösung sowohl der Klimaprobleme als auch des ständig wachsenden Energiehungers? Ich meine: Eher nein. Grundsätzlich ist die Idee, die in der Sahara mehr als reichlich vorhandene thermische Energie zur Erzeugung von Elektrizität einzusetzen, recht gut. Die Achillesferse daran ist der Transport dieser Energie nach Europa. Man muss mit etwa 50% Verlust durch die Leitungen rechnen. Das bedeutet nicht nur, dass dieser Solarstrom teuer wird. Es bedeutet Auch, dass dieser Ansatz Verschwendung ist.

Energie wird am Besten dort erzeugt, wo sie gebraucht wird. So ein Solarthermisches Kraftwerk in der Sahara wäre dann eine gute Idee, wenn besonders stromhungrige Indostrie wie z.B. die Aluminiumverhüttung, eben dort angesiedelt würde. Das würde auch der Wirtschaft dort zugute kommen. Ach ja, und so ganz nebenbei könnte man den Wirkungsgrad des Gesamtsystems noch mal drastisch erhöhen, wenn man gar nicht erst den Umweg über elektrischen Strom gehen würde, sondern die konzentrierte Sonnenenergie direkt zur Heizung verwenden würde. Denn mit dem Strom macht man auch nichts Anderes.

Aber auch in kleineren Maßstäben ist der Ansatz, Energie lokal zu gewinnen, besser. Hier ist vernetztes Denken gefragt. Solaranlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses? Genau! Aber nicht nur das. Siliziumzellen heizen sich bei Sonneneinstralung auf. Das verringert den Wirkungsgrad und verkürzt die Lebensdauer der Siliziumzelle. Also kühlen. Das kann man mit Wasser machen. Wohin mit dem aufgeheizten Wasser? Schon mal was von thermischen Solaranlagen gehört? Eine Kombination aus Siliziumzelle und Wasserkühlung nutzt die vorhandene Sonnenenergie wesentlich effizienter als nur eine der beiden Formen für sich alleine genommen.

Windenergie? Klar doch. Ein Windrad bringt zwar für sich alleine kaum Etwas. Aber oft genug bringt ein Windrad genau dann Etwas, wenn die elektrisch/termische Solarzelle wegen schlechtem Wetter nur wenig bringt. Beide Arten der Energiegewinnung können sich prima ergänzen.

Aber auch sonst wird einfach viel zu viel verschwendet. Was macht z.B. eine Müllverbrennungsanlage? Sie verbrennt Müll. Toll. Und was (ausser Abgas) entsteht dabei? Wärme! Was wird damit gemacht? Sie wird an die Luft abgegeben. Einfach so. Durch Fernwärme könnte man diese Energie nutzen und damit Einiges an CO2 Ausstoß verhindern. Das Gleiche gilt in hohem Maße für die Industrie. Oder für einen Teil davon. Überall dort, wo durch die Produktion viel Wärme erzeugt wird, muss man diese Wärme wieder los werden. Man könnte diese Wärme als Fernwärme abgeben, oder man könnte sie durch Einsatz von Wärmepumpen zur Gewinnung von Strom verwenden. Klar erschafft man damit kein Perpetuum Mobile. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Es geht darum, effizient und vernetzt der Verschwendung von Energie entgegen zu wirken.

Fazit: Wüstenstrom ja - aber so, dass es Sinn macht. Und nicht wieder so ein gigantischen Feigenblatt-Projekt. Solche Projekte sind geeignet für profilierungssüchtige Diktatoren, aber nicht für eine Demokratie.


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