Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Zeitung auf dem Holzweg

Tue, 03 Mar 2009 07:53:36 +0100

Die Zeitungen sterben dahin. Nun hat es die Rocky Mountain News erwischt, nach 149 Jahren des Bestehens. Das ist hart. Aber das ist kein US-exklusiv-Modell. Zeitungssterben gibt es auch in Deutschland.

Eins, zwei, drei im Sauseschritt eilt die Zeit. Wir eilen mit. So dichtete Wilhelm Busch im Maler Klecksel. Die Zeit eilt immer schneller. Ob dadurch Alles besser wird, darf bezweifelt werden, doch es ist eine Tatsache. Die Frage ist: Eilen die Zeitungsverlage auch mit? Hier ist wohl generell eher mit Nein zu antworten. Und wie das zu jeder Zeit tecnologischen Umbruchs war, wird es Gewinner und Verlierer geben. Die Zeitung scheint dabei auf der Verliererseite zu stehen.

Ich werde meine Tageszeitung wahrscheinlich auch bald kündigen. Ich habe einfach nicht die Zeit, diese zu lesen. Morgends am Frühstückstisch muss es schnell gehen, damit ich Zeit genug habe, im Berufsverkehr im Stau zu stehen. Meine Nachrichten erhalte ich im Laufe des Tages per Internet. Blogs sind so die Hauptquelle dafür. Doch das hat auch einen Haken.

Blogs sind überwiegend von nicht geschulten Privatleuten betrieben. Die Meisten schreiben dort einfach ihren Privatkram rein. Das ist ja auch nicht falsch. Nicht nur hat Jeder absolut das Recht dazu, solche Alltäglichkeiten sind in der Summe durchaus ein Gradmesser dafür, wie es der Gesellschaft als Ganzes geht. Das Problem ist nur, in der schieren Menge der Beiträge gehen wichtige Nachrichten zu leicht unter. Ein Dienst wie Rivva kann helfen, aber auch hier ist die Gefahr riesengroß, dass wichtige Nachrichten unentdeckt bleiben und unter gehen.

Diese Gefahr ist bei geschulten Journalisten geringer. Deutlich geringer. Und die Idee, dass Journalisten verstärkt zum Medium Blog greifen, ist ja nun nicht neu. Und ich lese sehr gerne die gut geschriebenen Blogs solcher Journalisten. Nicht nur der guten Inhalte wegen, sondern auch der guten Sprache und des klaren Aufbaus wegen. Denn seien wir mal ehrlich: Ein Blog wie Rorkvell liefert zwar auch Texte, und durchaus auch nützliche Gedanken. Aber ich bin kein gelernter Schreiber. Es ist nicht so leicht, diesen etwas holprig und etwas unstrukturiert daherkommenden Gedanken zu folgen. Das geht bei Texten, die von gelernten Journalisten verfasst werden, deutlich leichter.

Dazu kommt, dass Journalisten beruflich einen Instinkt für wichtige Nachrichten entwickelt haben. Dabei geht es nicht nur um das Entdecken solcher Nachrichten, es geht auch um das Denken in Zusammenhängen, um das Hinterfragen und Aufdecken. Diese Art von Informationen sind lebenswichtig für eine Demokratie. Ohne Journalisten sehe ich da sehr massive Probleme. Ich sehe momentan nicht, wie eine Demokratie ohne einen guten Journalismus überleben sollte.

Nun gibt es ja, Zeitungssterben hin oder her, genug talentierte und ausgebildete Journalisten. Talent und Fähigkeit wäre also da. Woran es scheitert, ist, dass auch ein Journalist nicht von Luft alleine leben kann. Leben kostet Geld. Und bei professionellen Blogs fehlt bis heute ein überzeugendes Geschäftsmodell. Werbeeinnahmen sind nicht das Gelbe vom Ei.

Vielleicht wäre hier ein Modell ähnlich wie für Fernsehen und Rundfunk interessant. Denn es sollte Aufgabe der Öffentlichkeit sein, für Öffentlichkeit zu sorgen. Vielleicht wäre es Aufgabe des Staates, Journalisten auch ohne Zeitungsverlag ihre Arbeit und das Informieren der Öffentlichkeit zu ermöglichen. Andererseits birgt das natürlich die Gefahr, dass ein Journalist auf diese Weise durch den Staat erpressbar wird. Wer eine bessere Idee hat, sollte darüber schreiben. Denn ohne richtigen Journalismus wird auch die davon abhängende Bloggerscene den Bach runter gehen. Schön, es wird weiter Blogs geben, aber die Inhalte werden in die Beliebigkeit abrutschen, die Öffentlichkeit wird nicht mehr informiert werden, und der Staat kann noch mehr mit uns machen, was er will. Ohne Journalisten sind wir noch mehr einem Berfspolitikertum ausgeliefert, als ohnehin schon. Daher meine ich, dass wir dringend ein Konzept brauchen, um diese wichtige Resource Journalismus nicht zu verlieren.


0 Kommentare