Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.


Alter Ego

Sat, 02 Jan 2010 19:07:03 +0100

Keine Netzavantgarde menr, so jammert Geert Lovink, Netzaktivist der ersten Stunde. Niemand mehr da, der eine Art Netzführerschaft übernehmen könnte. Niemand mehr da, der eine Netzführerschaft übernehmen könnte? Na hoffentlich, so meine ich. Und am Besten auch Niemand, der Sowas will. Hmm, naja, Google vielleicht. Mit einem rein an Kommerz orientierten Sendungsbeusstsein. Ganz toll.

Also, was mich angeht, braucht es keine Netzführerschaft. Besser: Sowas ist eher schädlich. Führer geh voran, wir folgen Dir – Wir wissen, wohin wir gefolgt sind. Ich will nicht den gleichen Fehler noch mal, nur diesmal weltweit.

Das Spiel mit wechselnden Identitäten gibt es nicht mehr. Auch das findet Geert Lovink schade. Ich finde es nicht besonders negativ. Ich benötige kein Spiel mit wechselnden Identitäten. Gut, ich spiele gerne Rollenspiele, aber da bleibt die reale identität hinter der Spielfigur immer sichtbar. Mir reicht das eigentlich. Allerdings ist dieses Spiel mit wechselnden Identitäten vermutlich im Zuge der Persönlichkeitsbildung durchaus nützlich. Doch auch hier könnte man jederzeit auf solche Rollenspiele zurückgreifen, mit dem gleichen Ergebnis. Warum also einer vergangenen Möglichkeit hinterherjammern, die so wichtig oder nützlich nun auch wieder niemals war?

Der eigentliche Vorteil des Internets ist weltweite Kommunikation. Und diesem Ziel wird das Internet auch heute noch gerecht, trotz Kommerz und sogar trotz Zensur. Die eigentliche Bedrohung dieser weltweiten Kommunikation ist allerdings die Zensur. Überall wird das world wide web abgebaut und zurechtzensiert zugunsten von nation wide webs, die besser kontrolliert werden können und leichter zu einem puren Propagandaorgan der Regierung gemacht werden können. Wer am stärksten ist, hat das Sagen und bestimmt, was im Internet kommuniziert wird, und was nicht. Wir schimpfen oft und zu recht über die Zensurmaßnamen in den islamischen Ländern oder in China, aber machen hier selber das Gleiche. Der Stärkere bestimmt, was Wahrheit ist. Und die Konsumenten glauben das. Die Wahrheit verkommt zu einem Propagandainstrument stalinistischer Prägung. Statt die Menschheit zu einen spaltet das Netz die Menschheit. Und in jedem Splitter sind die Wahren und Guten, und in den anderen Splittern die Bösen, die Terroristen, die Kinderschänder, die Teufelsanbeter oder was auch immer. Jedenfalls Die, die vernichtet werden müssen.

In Zukunft wird man dem Unbekannten nicht mehr staunend und ignorant begegnen können. Es gibt nichts Unbekanntes mehr, denn es ist Alles bekannt (aus der jeweils eigenen Propagandamaschine). In Zukunft kann man dem Unbekannten nicht mehr begegnen, sondern nur noch dem Feindlichen. Und da wird es dann heissen (in Abwandlung eines furchtbaren Sprichworts): Alle Kommunikation dieser Erde kommt aus den Läufen der Gewehre. Peng, Du bist tot – Als ob mich dieser saublöde Kommentar dann noch interessieren würde.


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