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Der gläserne Bürger

Tue, 03 Aug 2010 09:48:56 +0200

Erwischt! Das, was von Datenschützern immer als schlimmstes denkbares Horrorszenario beschrieben wurde, und das alle Anderen bislang als Phantasterei abgetan haben, das ist jetzt eingetreten: Die Londoner Polizei hat ein Überwachungsvideo gefälscht, so dass der Anschein erweckt wurde, ein Angeklagter wäre schuldig. Der Anwalt des Angeklagten ist an das originale unverfälschte Video gelangt.

Wie Netzpolitik schreibt, ist im Vergleich zu sehen, dass das von der Polizei als Beweis vorgeführte Video aus dem Originalmaterial ganz neu zusammen gestellt wurde.

Im Zusammenhang mit einer Demo hatte ein Polizist den Eindruck, dass da Jemand straffällig wurde. Nun ja, auf so einer Demo dürfte es recht unübersichtlich sein, bei den vielen Menschen und dem ganzen Durcheinander dort. Das kann vorkommen, und das sollte eigentlich der Polizei jederzeit bewusst sein. Eine Überprüfung der Überwachungsvideos hätte dann die Unschuld des Verdächtigen ergeben, und der Mann hätte unverzüglich frei gelassen werden müssen. Was stattdessen passiert, ist, dass die Polizei den Irrtum zwar erkennt, aber nach aussen den Anschein der Unfehlbarkeit erwecken will. Wenn die Polizei also Jemanden verhaftet, dann hat der auch schuldig zu sein. Ist er es nicht, dann macht man ihn eben schuldig. Man nennt das ein Bauernopfer. Um nur ja den Verdacht zu vermeiden, ein Polizist könnte sich auch mal irren, wird lieber ein Unschuldiger durch polizeilich gefälschtes Beweismaterial schuldig gesprochen.

Die Annahme, die Polizei wäre ein durch und durch objektiver Verein ohne eigene Interessen, dürfte mehr als naiv sein. Natürlich hat auch die Polizei, als Ganzes wie auch jeder einzeln, eigene Interessen.


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