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Die Romeikes und die Schule

Sat, 30 Jan 2010 11:54:12 +0100

Familie Romeike ist nicht nur einfach ausgewandert. Sie ist geflohen und hat in den USA Asyl bekommen. Und nun schlagen die Wellen der Empörung hoch hier. Dabei merken die Meisten in ihrer Empörung gar nicht, dass sie mit ihrer Argumentation die Gründe für die Flucht der Familie Romeike liefern.

So schreibt die TAZ beispielsweise:

[…]dass vor allem religiöse Fundamentalisten gleich welcher Glaubensrichtung das Instrument Hausunterricht wie die Romeikes erklärter maßen am liebsten dazu nutzen würden, ihre Kinder von jeglicher Konfrontation mit anderen Weltanschauungen, ja mit der modernen Welt abzuschirmen. Es ist ein hohes Gut, dass der demokratische Staat von seinen jüngsten Bürgern neben der neunjährigen Schulpflicht verlangen kann, in eine Schule zu gehen, in der sie Toleranz lernen müssen gegenüber Menschen und Ideen, die ihren Eltern vielleicht nicht so gefallen.

Ah ja, so ist das also. Wenn die Romeikes ihre Kinder lieber zu Hause unterrichten, dann deshalb, um ihre Kinder von jeglicher Konfrontation mit anderen Weltanschauungen, ja mit der modernen Welt abzuschirmen. Wenn der Staat die Kinder unterrichtet, dann ist das natürlich nicht der Fall. Der Staat lehrt die Kinder also Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Ausser, diese Andersdenkenden denken anders als vom Staat verordnet. Diese Andersdenkenden denken z.B., dass die Evolutionstheorie falsch ist. Das ist natürlich nicht tolerabel. Wer die Evolutionstheorie für falsch hält, muss mit allem Nachdruck eines "Besseren" belehrt werden, wenn nötig, mit Gewalt. Da hat die Toleranz ganz plötzlich Grenzen.

Und wenn Jemand mit der Idee aufkommt, in den Schulen die verschiedenen Philosophien gleichberechtigt nebeneinander zu lehren, was ja nicht nur zu Toleranz, sondern auch zum selber Denken führen könnte, dann geht ein Aufschrei durch die Medien und die Bevölkerung, so dass ganz schnell wieder die allein seeligmachende Staatsreligion als einzig tolerierbare Weltanschauung gelehrt wird. Toleranz ja, aber nur gegenüber Gleichdenkenden. Toleranz gegenüber Andersdenkenden? Niemals!

Ich weiss nicht, wie tolerant oder intolerant die Romeikes sind. Vielleicht sind sie wirklich religiöse Fanatiker, die die Auseinandersetzung mit anderen Gedanken scheuen. Aber der deutsche Staat ist mit Sicherheit ein solcher religiöser Fanatiker, der die Auseinandersetzung mit z.B. dem Kreationismus scheut. So lange nicht die verschiedenen Philosophien wertfrei und gleichberechtigt nebeneinander in den Schulen gelehrt werden, so lange ist dieser Staat weder säkular noch tolerant noch aufgeklärt. Der Staat und ein Großteil der Bevölkerung verhält sich eher wie ein in die Enge getriebenes Raubtier, das aggressiv nach allen Richtungen beisst.

Man sollte nicht vergessen, dass diese Art der Schulpflicht aus dem Nationalsozialismus stammt, der massiv durchsetzt war mit mystisch-religiösen Elementen (nordische Götterwelt, Magie, hexen, der heilige Gral und Dergleichen). Was Weltanschauung angeht, dient dieses System nicht der Entwicklung eines unabhängigen Denkvermögens, sondern der Indoktrination mit der einzig tolerierten staatlich genehmigten Weltanscheuung.


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