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Eva und die Ursachenforschung

Wed, 28 Jul 2010 18:14:54 +0200

Eva Hermann, die frühere Fernsehmoderatorin und jetzige Buhfrau der Nation, tut sich mit reichlich abstrusen Gedanken und Meinungen zu den Ursachen der Todesfälle bei der Duisburger Loveparade hervor. Zunächst schimpft sie über das gottlose Treiben auf dieser Party, was sie Sodom und Gomorrha nennt. Und dann deutet sie dezent an, dass die Toten wohl eine Art Strafe einer höheren Macht wäre.

Nun ja, man mag zu dem Treiben dort stehen, wie man will. Ich finde auch, dass diese Veranstaltung heute nur noch eine hauptsächlich kommerziellen Interessen dienende dekadente Sex- und Alkohol-Orgie ist. Nicht mein Fall. Aber gut, Fußball ist auch nicht viel anders. Naja, ohne Sex, aber sonst sehr ähnlich. Na und? Es handelt sich bei den Teilnehmern, Befürwortern und Gegnern solcher Veranstaltungen um erwachsene Menschen, die selber wissen (sollten), was sie da tun. Man mag es gut finden oder nicht. Und auch Eva Hermann hat das Recht auf ihre eigene Meinung dazu.

So weit, so schlecht. Aber die Schnapsidee, hinter den Toten stecke die strafende Hand Gottes, ist nicht nur abstrus. Diese Idee entbehrt auch jeglicher Grundlage. Gerade Eva Hermann, die hier den Vergleich mit Sodom und Gomorrha bemüht, sollte das wissen. Wir wissen heute nicht mehr im Detail, was in diesen beiden antiken Städten so Alles abging. Aus der Bibel wissen wir, dass Gott diese beiden Städte dafür bestraft hat. Aber wir wissen auch aus der selben Bibel, gerade mal ein paar Sätze später, dass Gott zugesagt hat, solch eine Bestrafung niemals zu wiederholen. Die Behauptung oder auch nur dezente Andeutung, Gott hätte die Opfer der Loveparade getötet, ist also eine platte Lüge. Eine durch und durch unchristliche Lüge, die Gott des Wortbruchs bezichtigt.

Über Eva Hermanns Gottesbild kann man natürlich nur Vermutungen anstellen. Meine Vermutung ist, dass sie Gott mit humanistischen (oder sonstigen) Moralvorstellungen verwechselt. So in der Art Edel sei der Mensch, hilfreich und gut, wie Karl May das mal formulierte. Und Rudelficken, wie das einer der Kommentatoren bei Stefan Niggemeier formulierte, gehört anscheinend nicht zu Eva Hermanns Begriff von "edel" oder "gut". Aber das ist ihre Meinung dazu. Was Gott dazu meint, und vor Allem, was er dabei zu tun gedenkt, das sollte sie tunlichst ihm überlassen.

Was dabei raus kommt, wenn Jemand die eigene Moralvorstellung Jedem notfalls mit Gewalt aufdrücken will, kann man bei The Onion nachlesen. Dort verlangt eine afghanische Burka-Trägerin die Todesstrafe für eine andere Afghanin, die statt Burka nur den Chador trägt. Dieses gottlose Bloßstellen und öffentlich Präsentieren der Nase kann eben nur mit dem Tod angemessen bestraft werden. Meint jedenfalls diese Frau. Wenn Eva Hermann meint, für das gottlose Treiben auf der Loveparade wäre die Todesstrafe (durch eine höhere Macht) angemessen, tut sie genau das Gleiche wie diese Burkaträgerin.

Sie hat das Recht, über die Loveparade eine eigene Meinung zu haben. Sie hat natürlich auch das Recht auf eine zur allgemeinen Hype abweichenden Meinung. Und sie hat das Recht, diese Meinung öffentlich kundzutun. Aber sie hat weder das Recht, Gott des Wortbruchs zu bezichtigen, noch das Recht, eine Todesstrafe für eine Teilnahme an der Loveparade als angemessen zu bezeichnen. Mit dieser Aussage hat sich Eva Hermann in die gleiche Ecke manövriert, in der auch die Taliban stehen.


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