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Google Streetview

Fri, 20 Aug 2010 10:47:31 +0200

Google Streetview – die neue Hype. Allerdings negativ. Wenn man sich die Diskussion so anhört (resp. liest), kann man den Eindruck bekommen, Google Streetview wäre der neue große Skandal, vergleichbar mit Watergate. Ich halte das für gefährlichen Quatsch. Wie Thomas Knüwer schreibt:

Längst ist klar, dass es den meisten medialen Institutionen in Deutschland nicht mehr um das Thema geht oder darum, den Bürgern eine Orientierung zu geben. Es geht allein darum, ihnen wenigstens für den Bruchteil einer Sekunde einen Schrecken einzujagen – egal, ob sie dabei desinformiert werden, oder nicht. Denn wer sich erschrickt oder aufregt, der kauft vielleicht das entsprechende Magazin oder die jeweilige Zeitung.

Ganz meine Meinung. Wir werden gerade furchtbar über den Tisch gezogen.

Zunächst mal ist es weder verboten, öffentlich einsehbare Orte zu fotografieren, noch ist das ungewöhnlich. Japanische Touristen, die zu hunderten in Heidelberg einfallen, machen nichts Anderes. Und Niemand hat Etwas dagegen. Warum auch? Wenn wir in den Urlaub fahren, machen wir auch nichts Anderes. Je pittoresker, um so mehr wird fotografiert. Aber Google macht das kommerziell? Das macht jeder Hersteller eines Reiseführers oder von Postkarten auch. So lange Google sich also auf öffentlich sichtbare Orte beschränkt, ist da eigentlich Nichts gegen zu sagen.

Etwas problematisch ist ein anderer Aspekt: Die leichte Verknüpfbarkeit mit anderen Daten. Diese Möglichkeit bietet das Internet nun mal. Genau das ist Hauptaufgabe eines jeden Computers. Jeder, der eine e-mail schreibt, und die Adresse dazu aus seinem Computer-Adressbuch holt, macht nichts Anderes. Nur bei Google Streetview bekommen wir diese Möglichkeiten in einem ganz anderen Maßstab. Jeder, der unseren Namen kennt, kann sehen, wo und wie wir wohnen. Das kann mir vielleicht noch vergleichsweise egal sein. Aber wie sieht es aus mit z.B. einer Frau, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflohen ist und nun in einer anderen Stadt lebt? Der Typ braucht nur bei Google nachzusehen, und bekommt frei Haus die Adresse und die komplette Wegbeschreibung.

Andererseits sind natürlich genau diese Verknüpfungsmöglichkeiten auch erwünscht. Wenn ich umziehe und meine Freunde zur Einweihungsfeier einladen will, kann ich mir nun die Wegbeschreibung sparen. Google hat's ja. Oder ich will zu einer Firma, was kaufen. Wie hinkommen? Dank Google kein Problem. Oder wir suchen z.B. zur Zeit einen neuen Stall für unsere Pferde. Mit Streetview kann man schon mal eine Vorauswahl treffen. Durchaus nützliche Dinge.

Wie können wir die nützlichen Seiten dieser Daten behalten, und dabei gleichzeitig den Missbrauch verhindern oder wenigstens einschränken? Ich weiss es nicht. Aber das zu überlegen wäre sinnvoller, als sich über Google Streetview derartig aufzuregen.


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