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Kriegserklärung

Wed, 24 Feb 2010 15:25:56 +0100

Meine Güte, was habe ich da nur losgetreten. Da gibt es einen Blogbeitrag bei Mädchenmannschaft, wo man sich darüber beschwert, dass es so viele Hasskommentare gibt. So weit, so berechtigt. Und dann werden 3 Arten solcher Hasskommentare aufgezählt:

  1. Da wäre der einzelne Irre. Dieser stößt oft eher zufällig auf feministische Seiten und Blogs und versucht seiner ganzen aufgestauten Wut in einem deftigen Kommentar Raum zu geben. Meist gelingt ihm das nur mit wüsten Schimpfwörtern, manchmal sind auch nur relativ harmlose Einwürfe wie „geht kochen“ oder „macht euch doch mal locker“. In diese Kategorie würde ich auch den Klassiker „ihr gehört einfach mal wieder ordentlich durchgebumst“ einordnen. Diesen hielt ich persönlich übrigens lange für eine altfeministische Saga, bis er mir tatsächlich selber im Rahmen einer Diskussion in einer Community das erste Mal begegnete. Man muss also nicht unbedingt auf einer explizit feministischen Plattform schreiben, um solchen Sprüchen ausgesetzt zu werden – das reine Äußern gleichberechtigter Gedanken reicht völlig aus, um bei manchen Menschen einen Schalter umzulegen.

    Keine Einwände hier. Ist vermutlich reine Angstbeisserei. Solche Kommentare würde ich auch kommentarlos löschen.

  2. Neben dem einzelnen Irren gibt es den Typ, der sich ein bisschen mehr Zeit lässt. Auch er hat sich natürlich überhaupt nicht mit der jeweiligen Seite, den Autor_innen und Beiträgen dort beschäftigt, aber immerhin bringt er Argumente mit. Oder das, was er dafür hält. Diese werden dann willkürlich unter irgendwelche Texte platziert. Viele dieser Kommentatoren haben anscheinend wirklich die Hoffnung, sämtliche Feministinnen mit nur drei Zeilen überzeugen zu können, dass sie mit allem, was sie schreiben und denken völlig falsch liegen. Solche Kommentare sehen meistens ungefähr so aus: „Männer haben übrigens eine geringere Lebenserwartung als Frauen!! Denkt da mal drüber nach!!11!“. Manchmal wird das ganze noch mit einem Nick wie „Fotzenprotz“ oder „Frauenfeind“ kombiniert.

    Naja, entweder ist das nicht besser als Version 1, oder (falls der Kommentator sich tatsächlich Zeit nimmt und argumentiert, hat man es vielleicht mit Jemandem zu tun, der es entweder nicht besser weiss, oder der sich nicht so gut ausdrücken kann. Hier würde ich nicht automatisch eine böse Absicht vermuten. Oft genug wird das der Fall sein. Aber nicht jedes Mal.

  3. Als letzter Kommentartyp ist der zu nennen, der sich wirklich Zeit nimmt. Meist hat er den Text sogar gelesen und versucht, mit seinem Kommentar einen Bezug dazu herzustellen. Letztendlich handelt es sich hier aber nur um eine Erweiterung des zweiten Kommentartypen, es wird also versucht, mit mal mehr mal weniger aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen und Fakten zu verdeutlichen, dass Feminismus grundsätzlich falsch und gefährlich ist.

    Und das hier ist, gelinde gesagt, gequirlte Scheisse. Wenn sich Jemand die Mühe macht, sachlich und objektiv einen eigenen Beitrag zu einem Artikel zu leisten, wenn er sich zeit nimmt und vernünftig argumentiert, dann zeigt das, dass er den Artikel ernst nimmt, und damit auch die Schreiberin dahinter. Dass er selber denkt und in einem oder mehreren Punkten aus gutem Grund eine andere Position vertritt. Diese andere Position ist vielleicht falsch. Vielleicht auch nicht. Aber so Jemand als verkappt sexistisch abzutun ist eine Respektlosigkeit sondergleichen.

Genau dies habe ich versucht, dort als Kommentar zu hinterlassen. Wortwörtlich habe ich dort geschrieben, dass Feminismus richtig und notwendig ist (und nicht, wie im Artikel beschrieben, "grundsätzlich falsch und gefährlich"). Aber Jemandem, der seinen Respekt erweist, indem er eigene Gedanken hinzufügt, derart respektlos abzukanzeln, das ist … sorry, da fehlen mir die Worte.


1 Kommentare

  1. Wed, 24 Feb 2010 15:54:14 +0100

    Nachtrag: Anstatt mir, wie in meinem letzten Kommentar vorgeschlagen, klipp und klar zu sagen, ich solle mich aus dem Blog raushalten, hat man es vorgezogen, meinen letzten Kommentar kommentarlos zu löschen.