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Liebe gefühlt

Wed, 07 Apr 2010 11:13:53 +0200

Dass Liebe ein Gefühl ist, das wird einem ja heute täglich um die Ohren gehauen. Ganz besonders die Schlager-Schnulzen-Branche wird nicht müde, das täglich als Tatsache zu verbreiten. Ehrlich gesagt, ich kann damit nicht viel anfangen. Klar wird Liebe oft (oder in der Regel) von irgendwelchen Gefühlen begleitet. Aber Liebe und diese Gefühle gleich zu setzen heisst, Ursache und Wirkung zu verwechseln.

Dazu kommt, dass es heute wohl nur noch eine Art von Liebe gibt. Liebe ist heute ausschließlich das, was im Griechischen mit "Eros" bezeichnet wurde. Also die sexuelle Liebe. Wie extrem diese Fokussierung auf nur diese Art Liebe heute ist, wird deutlich, wenn man sich mal klar macht, dass ein Vater, der seine Kinder liebt, sich gleich der Pädophilie verdächtig macht. Oder des Inzest. Oder angenommen, ich sage, dass ich unsere 2 Pferde liebe, mache ich mich dann der Sodomie verdächtig?

Liebe ist heutzutage reduziert auf erotische Gefühle. Das ist eine Reduktion in 2 Dimensionen. Zum Einen wird reduziert in den menschlichen Beziehungen und auf Sex allein fokussiert, zum Anderen wird Alles ausgeklammert, was nicht mit Gefühl zusammen hängt. Liebe in ihrer ganzen Bandbreite wird damit zunächst sprachlich eliminiert. Und es scheint so, als ob Liebe dadurch dann auch sonst eliminiert wird. Anstatt dass Liebe zunächst eine Willensentscheidung ist, für jemand Anderen da zu sein, ist Liebe heute ein Gefühl, das man selber haben muss. Der Fokus der Liebe geht weg vom Anderen hin zu sich selbst. Liebe ist dann nur noch eine Art Rausch, vergleichbar mit Alkohol. Ich habe Nichts gegen einen Rausch oder Alkohol, aber Liebe darauf zu reduzieren, ist schade drum.

Liebe ist also reduziert auf den sexuellen Rausch. Darüber hinaus wird dieser sexuelle Rausch auch als der wünschens- und erstrebenswerte Dauerzustand lanciert. So kommt zu der Reduktion auf den sexuellen Rausch auch noch Leistungsdruck hinzu. Und wer diesem Leistungsdruck nicht gewachsen ist, glaubt, zur Liebe nicht fähig zu sein.

Übrigens, wer will, kann ja mal mein Logo analysieren. Stichworte: Heraldik, heraldische Symbole und heraldische Bedeutung von Farben. Man wird feststellen, dass dieses Logo einer meiner Kontrapunkte zu dieser bedauerlichen Entwicklung ist.


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