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Manifeste

Wed, 06 Jan 2010 10:15:58 +0100

Manifeste, Manifeste. Immer feste. Alles schriftlich absichern scheint eine typisch deutsche Unart zu sein. Naja, ich habe ja selbst schon mal ein Manifest zumindest kopiert. Also, nicht, dass ich jetzt Manifeste grundsätzlich verdammen würde.

Aber so langsam scheint das überhand zu nehmen. Zunächst einigte sich eine Gruppe von Journalisten darauf, ein Manifest zu erstellen, das klarstellen sollte, was Journalismus im Internet bedeutet. Ein Riesenaufwand für ein paar Selbstverständlichkeiten. Und nun kommt die Gegenseite und verfasst ein slow media manifest, das die Qualität der traditionellen Medien der angeblichen Qualitätslosigkeit der neuen Medien gegenüberstellt. So ein Quatsch. Weder erzeugt Langsamkeit zwangsläufig Qualität noch erzeugt Schnelligkeit zwangsläufig Qualitätslosigkeit. Und dass beide unvereinbare Gegner sind, das habe ich ja schon oft bestritten.

Sicher, das schnell-schnell, immer Alles sofort, und noch bevor man es in Händen hält, ist das Interesse schon wieder vorüber, das ist wirklich eine Unart der heutigen Zeit. Insofern wäre Langsamkeit in Verbindung mit Nachhaltigkeit durchaus wünschenswert. Aber das hat mit Journalismus nicht so sehr viel zu tun. Das ist eher eine ganz allgemeine Unart unserer heutigen Gesellschaft, in der die zeitlichen Grenzen des Denkens anscheinend auf wenige Minuten geschrumpft sind. Aber das ist nicht mehr das Problem von Journalisten als es das Problem von uns Allen ist.

Andererseits haben Geschwindigkeit und Leichtigkeit auch ihre Vorteile. War es vor dem Internet sehr mühsam und bedurfte eines großen zeitlichen und materiellen Aufwands, Etwas zu veröffentlichen, so kann das heute Jeder in ein paar Minuten. Und trotz der Tatsache, dass dadurch auch jede Menge Triviales und Quatsch veröffentlicht wird, so hat das doch große Vorteile. Die Abhängigkeit von ein paar wenigen Meinungsmachern ist geringer geworden. Sie ist nicht verschwunden. Die Meinungsmacher haben mehr Geld und sonstige Mittel, um ihre Meinung noch immer sehr vernehmlich zu veröffentlichen. Und gute und wichtige Meinungen von sogenannten Niemanden wird immer noch zu selten bemerkt. Aber immerhin existiert die Möglichkeit heute für Jeden. Die grundsätzlichen Fehlentwicklungen dieser Welt lassen sich damit nicht korrigieren, aber immerhin gibt es hier und da neue Ansätze, Chancen, Möglichkeiten. Nutzen wir sie.


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