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Piratinnen

Fri, 05 Mar 2010 09:43:09 +0100

Das leidige Gender-Thema. Ich habe mit jetzt diese Erklärung von Lena mehrfach durchgelesen. Dass da eine Diskussion hochkocht, ist weder bei der Vorgehensweise noch bei dem Inhalt sonderlich verwunderlich. Insbesondere bleibt der Zweck dieser Gruppe etwas nebulös.

Der Grund für diese Gruppe ist hingegen klar: Frauen fühlen sich in einer von Männern dominierten Gruppe benachteiligt. Das mag stimmen oder auch falsch sein, so ein Gefühl ist nun mal subjektiv und kann nicht einfach unter den Tisch gekehrt werden. Was jedoch ganz entscheidend ist, ist der Zweck dieser Gruppe.

Unser Ziel ist es nicht, "Frauenpolitik" o.ä. zu einem Programmpunkt der Piratenpartei zu machen. Wir sprechen nicht für alle Frauen in der Piratenpartei; uns ist bewusst, dass es zu diesem Thema in der Partei verschiedene Standpunkte und Herangehensweisen gibt.

Na, das klingt ja schon mal beruhigend. Aber:

Besonders bei Themen, die sich mit dem Status einer Frau in einer weitgehend männlichen Gruppe beschäftigen, kommt es aber häufiger vor, dass Frauen sich in Anwesenheit von Männern nicht offen äußern.

Nun ja, dass sie sich nicht äussern, mag vorkommen. Doch was genau soll diese Gruppe in diesem Zusammenhang bewirken? Immerhin ist der Status einer Frau in einer weitgehend männlichen Gruppe ein politisches Thema. Wenn hier nun also politische Arbeit getan werden soll, und die Männer allein aufgrund ihres Geschlechts ausgeschlossen werden sollen, dann ist das eine Ohrfeige für sämtliche Männer (deshalb die viele Wut in der Diskussion) und ein glatter Verstoß gegen §1 der Satzung:

(1) Die Piratenpartei Deutschland (PIRATEN) ist eine Partei im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und des Parteiengesetzes. Sie vereinigt Piraten ohne Unterschied der Staatsangehörigkeit, des Standes, der Herkunft, der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und des Bekenntnisses, die beim Aufbau und Ausbau eines demokratischen Rechtsstaates und einer modernen freiheitlichen Gesellschaftsordnung geprägt vom Geiste sozialer Gerechtigkeit mitwirken wollen. Totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.

Also, um beim Aufbau eines demokratischen Rechtsstaates bla bla, also kurz politischen Arbeit werden alle vereinigt. das heisst, kein Pirat darf ausgeschlossen werden. Auch nicht aufgrund seines Geschlechts. Steht explizit in der Satzung.

Von der Satzung mal abgesehen ist das auch eine Ohrfeige, weil damit behauptet wird, die Männer seien zu (dieser) politischer Arbeit unfähig und würden nur stören. Deshalb gibt es so viel Wut in der Diskussion

Dabei ginge es auch anders. Angenommen, diese Gruppe würde explizit nicht dazu dienen, politische Arbeit zu machen, sondern lediglich dazu, eine wie auch immer definierte Gruppe darin zu schulen und zu fördern, solche politische Arbeit in den dafür zuständigen Arbeitsgruppen zu tun, dann wäre das was Anderes. In der Praxis würde sich das von dem, was Lena vorgeschlagen hat, kaum unterscheiden. Ob in dieser Gruppe nun das neueste Käsekuchenrezept diskutiert wird, oder die Stellung der Frau in einer von Männern dominierten Gruppe, ist egal. Denn welche Diskussion auch immer, sie dient dann nicht der politischen Arbeit, sondern der Vorbereitung darauf oder der Förderung dazu. Und da die Notwendigkeiten und Methoden der Förderung sehr unterschiedlich sind, sollte es auch kein Problem sein, diese Fördergruppe auf die zu beschränken, auf die diese Fördergruppe zugeschnitten ist. Und wenn das zufällig per Geschlecht ist, was soll's.

Aber die politische Arbeit sollte in dafür vorgesehenen Arbeitsgruppen getan werden. Und von diesen Gruppen darf Niemand ausgeschlossen werden. Auch die Stellung der Frau in einer von Männern dominierten Gruppe ist ein Thema für solch eine Arbeitsgruppe. Aber das muss gemeinsam diskutiert werden, sonst verraten die Piraten ihr Selbstverständnis.

Wenn diese Gruppe nun nicht als Arbeitsgruppe, sondern als Fördergruppe aufgefasst wird, dann hat das auch für die geförderten nur Vorteile. Denn anstatt sich auf die Schwächen (die Unfähigkeit, sich unter Männern zu äussern) zurüchzuziehen, werden die Frauen hier darin geschult, diese Schwäche zu überwinden. Denn die Arbeit muss ja immer noch in gemischt-geschlechtlichen Gruppen erledigt werden. Also, nach der Schulung/Förderung geht's raus ins harte Leben und an die Arbeit. Für Alle.

Ich habe keine Ahnung, ob dieser Vorschlag jemals von einem Piraten überhaupt nur wahrgenommen wird. Aber für den Fall, dass, hier ist er.


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