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Schundroman

Sat, 13 Mar 2010 10:21:32 +0100

Echte Helden. Und echte Bösewichter. Nicht gemainstreamt. Weder Gender noch sonst wie. Das ist Jerry Cotton, der New Yorker FBI Agent. Eine Figur aus einem Groschenroman, auch Schundroman genannt.

Aber ist der Begriff Schundroman eigentlich angebracht?

Auf den ersten Blick könnte man sagen, diese Romane hätten mit der Realität überhaupt Nichts zu tun. Ein echter FBI Agent würde niemals so vorgehen. Und Kerle, die entweder der absolut gute Held oder der absolut böse Schurke sind, gibt es gar nicht. Alles richtig. Aber hat das deswegen Nichts mit der Realität zu tun?

Früher gab es Märchen. Eines, was die klassischen Märchen auszeichnet, ist die totale Überzeichnung der guten und bösen Charaktere. Die Welt wird schwarz-weiss dargestellt. Und trotzdem würde Niemand Märchen als Schundliteratur abtun. Gut, Märchen gilt heute als Synonym für platte Lügen. Schade eigentlich. Denn der Zweck von Märchen ist ein ganz Anderer. Märchen sind so Etwas wie Symbole. Sie sollen einen bestimmten Gedanken vermitteln. Sie sollen eben nicht die Realität, so, wie sie ist, wiedergeben, sondern der Realität ein Ideal gegenüberstellen. Und dieses Ideal wiederum hat sehr wohl Etwas mit der Realität zu tun.

Warum gibt es heute noch Malerei? Mit einem Photoapparat kann man doch die Realität viel wirkungsvoller einfangen. Doch geht es in einem Bild darum, die Realität einzufangen? Geht es nicht eher darum, eine bestimmte Aussage zu machen?

Ob die gemachte Aussage nun nützlich, richtig, bekannt oder was auch immer ist oder eben nicht ist, das ist ein anderes Thema. Aber bei Märchen, Bildern, und eben von mir aus auch Groschenromanen geht es nicht um die Abbildung der Realität, sondern um die Konstruktion eines Ideals, an dem die Realität gemessen werden kann. Deswegen haben Fantasy- und Science Fiction Romane trotz aller Surrealität die Technik betreffend allesamt einen sehr gut erkennbaren Bezug zu unserer Realität. Sie bilden die Realität nicht ab wie ein Photo, sondern wie ein Gemälde.


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