Geschlechterkrampf

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  1. Geschlechterkrampf
  1. Geschlechterkrampf

    Eckhard Kuhla hat ein Buch herausgegeben mit dem interessanten Titel "Schlagseite – Mann/Frau kontrovers". Und in Telepolis dazu ein Interview gegeben. Die Aussagen dort decken sich zu einem großen Teil mit meinen eigenen Beobachtungen, die ich schon seit Jahren mache.

    In der Gewaltdebatte werden Männer zu den alleinigen oder hauptsächlichen Tätern stilisiert. Frauen hingegen werden als die Opfer dargestellt. Viele Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Gewaltausübung im häuslichen Bereich auf beide Geschlechter etwa gleich verteilt ist. Nur die Formen der Gewalt unterscheiden sich. Eine wichtige Rolle spielt hier die Untersuchung des Geschlechterforschers Peter Döge "Männer – die ewigen Gewalttäter?" aus diesem Jahr. Er plädiert für eine differenziertere Betrachtung der Gewalt und spricht sich gegen das Klischee Männer gleich Täter und Frauen gleich Opfer aus. Damit beschreibt er einen klaren Fall von Diskriminierung der Männer.

    Das deckt sich mit meinen Beobachtungen. Frauen können sehr gewalttätig sein. Vielleicht nicht so gut mit den Fäusten, aber auf jeden Fall mit der Zunge. Die Verletzungen, die sie damit zufügen, sind tief und heilen schlecht. Und dennoch:

    Außerdem polarisiert die Genderideologie – wie jede Ideologie. Die Menschen werden nicht nach ihrer Individualität, also nach ihren individuellen Interessen, Fähigkeiten und Präferenzen, betrachtet, sondern nach der Gruppenzugehörigkeit: nach dem "Geschlecht". Dabei werden "die Frauen" idealisiert, Männer hingegen als Mängelwesen dargestellt. Täglich lesen wir in den Zeitungen, dass Frauen friedlicher, kommunikativer, einfühlsamer undsoweiter sind als Männer.

    Diese Fehleinschätzung finden wir überall in den Medien. Nicht nur in den Zeitungen oder in Nachrichten oder Dokumentationen oder Berichten. Noch viel intensiver wird diese Botschaft transportiert durch Spielfilme und Werbung. Frauen sind die wunderschönen, allwissenden und grundgütigen Engel, während Männer entweder so eine Art Teufel sind, oder Trottel. Dieses Bild setzt sich fest in unserem Denken. Immer mehr Frauen glauben daran, und auch immer mehr Männer glauben daran.

    Ich kann keinen rationalen Kern in der Genderideologie erkennen. Der eigentliche Kern ist meiner Meinung nach die Annahme der Veränderbarkeit des menschlichen Geschlechts durch Kultur und Gesellschaft. Die Veränderbarkeit des Geschlechts konnte jedoch bisher wissenschaftlich nicht bewiesen werden. Trotzdem findet diese Annahme beispielsweise ihren Niederschlag in der aktuellen Grundschulpädagogik vieler Bundesländer – ohne dass das in das öffentliche Bewusstsein gelangt. Die Genderideologie wird eingesetzt in der Sexualerziehung mit der Theorie der "Geschlechtlichen Vielfalt". Mit anderen Worten: Grundschulkindern wird ein Korb der geschlechtlichen Identitäten – also nicht nur zwei – angeboten, sie können sich dann ihre Identität aussuchen, begleitet von "gender-erfahrenem" Lehrpersonal. Das entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage – ganz zu schweigen von der moralischen Bewertung.

    Hier kann ich Eckhard Kuhn allerdings nicht ganz folgen. Richtig ist, dass die Idee von der alleinigen Bestimmung des Geschlechts durch Kultur und Gesellschaft ziemlicher Unsinn ist. Im Gegenteil, Untersuchungen belegen, dass das Geschlecht weitgehend genetisch und durch Einflüsse während der Zeit als Embryo geformt wird. Übrigens sowohl physisch/biologisch als auch im Gehirn (Persönlichkeit). Fakt ist weiterhin, dass die Bandbreite der individuellen Persönlichkeiten sehr viel größer ist als der Unterschied von Mann und Frau jeweils im Durchschnitt. Die Genderideologie ist also insofern falsch, als dass sie von einer Veränderbarkeit des Geschlechts ausgeht, und ebenso falsch, wenn sie von einem "richtigen" Geschlecht ausgeht resp. davon, wie sich dieses "richtige" Geschlecht z.B. durch das Verhalten manifestiert. Solch ein "richtiges" Geschlecht gibt es nicht. Daneben liegt Kuhla aber meiner Meinung nach, wenn er diesen in der Grundschule angebotenen "Korb der gesellschaftlichen Identitäten" pauschal ablehnt. Die Idee ist durchaus richtig und könnte jedem Kind helfen, seine ganz eigene und individuelle Identität zu finden und zu fördern. Ob allerdings "gender-erfahrenes Lehrpersonal" dafür die geeigneten Begleiter sind, darf getrost bezweifelt werden. Persönlich habe ich eher den Eindruck, als ob es das Ziel der "gender-erfahrenen Lehrkräfte" ist, Mädchen zu Männern zu formen und Jungen zu Frauen. Und zwar grundsätzlich und aus Prinzip. Da wird nur ein altes Rollenbild durch ein Neues noch Falscheres ersetzt. Das Alte war schon falsch genug, das Neue setzt dem aber die Krone auf. Das kann es ja nun auch nicht sein.

    Ich schreibe derzeit an einem Roman, in dem dieses Thema aufgegriffen wird. Ich schreibe diesen Roman, weil mich dieses Thema schon seit mehr als 10 Jahren stark beschäftigt. Mit etwas Glück kommt zum Jahresende das erste von 3 Büchern raus. Mal sehen…

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