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Das ganz normale Chaos, täglich frisch auf den Tisch. Direkt aus der hintersten Provinz in die Metropolen von Groß-Blogistan.

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    Wie Netzpolitik berichtet, war Syrien kürzlich offline. Und nein, nicht, wie man jetzt vermuten könnte, die Regierung hätte mal eben im Zuge des Bürgerkrieges die Kabel gekappt. Stattdessen sind anscheinend die Einträge in den globalen Routingtabellen gelöscht worden. Damit war Syrien zwar noch physisch an das Netz angeschlossen, aber logisch und de Facto offline, weil keine Daten mehr nach Syrien geroutet werden konnten.

    Merkwürdig, dabei war das Internet mal so konzipiert worden, dass es selbst dann noch funktionieren sollte, wenn große Teile davon durch z.B. einen Atomschlag zerstört worden wären. Damals hatte man noch Angst, die bösen russischen Kommunisten würde genau so Etwas tun. Also hat man das Netz unkaputtbar konzipiert. Wie kann es dann möglich sein, dass ein ganzes Land in einem unkaputtbar konzipierten Netz plötzlich durch einen kleinen Fehler komplett offline ist?

    Nun, das unkaputtbar hat damit zu tun, dass das Netz dezentral konzipiert wurde. Es gab einfach nicht die eine zentrale Stelle, die man ausschalten musste, um das Netz lahmzulegen. Das Netz war so konzipiert, dass eine riesige Zahl kleiner gleichberechtigter Netzknoten jederzeit die Aufgaben von ausgefallenen Nachbarknoten übernehmen konnte. Nur, mit solchen kleinen dezentralen Knoten lassen sich schlecht Geschäfte machen. Es lohnt schlicht nicht. Also wurde die Zentralisierung vorangetrieben. Immer mehr läuft über immer weniger Stellen. Damit haben wir zwar immer noch nicht die eine einzige zentrale Stelle, ohne die Alles zusammenbricht, aber die Situation hat sich auf ein paar solcher Stellen reduziert. Man muss nun nicht mehr Millionen Knoten ausschalten, es reichen ein paar hundert. Und wenn man diese Knoten nicht physisch ausschaltet, sondern nur "verwirrt", indem man deren Daten (Routingtabellen) manipuliert, dann reicht es, wenn man einen dieser Knoten so manipuliert. Der Fehler wird automatisch durch das Netz propagiert und verteilt sich von ganz alleine.

    Theoretisch gäbe es dafür einen Lösungsansatz: Sogenannte Bürgernetze. Aber dazu müssten sich die Bürger aufraffen und sich jeweils mit ihrem Nachbarn vernetzen. Freifunk macht so Etwas in dieser Art, ist aber immer noch auf die zentralen Knoten und Provider angewiesen. Es sind eben nur wenige Idealisten, die sich da rantrauen. Und die Störerhaftung erschwert solche Aktionen massiv.

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